Antalya im Winter

AUStalya – ANtalya im Winter

Reisebericht Antalya, Türkei  06.-10.02.2016

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„Warum reist du nicht woanders hin?“

Hast du mich gefragt, ich verstand es viel mehr als Aufforderung meine neue Freiheit doch gefälligst zu nutzen. Ich habe deine Welt aber auch zu schätzen gelernt, vielleicht sogar mehr als du. Für dich ist es alltäglich, für mich immer wieder eine orientalisch märchenhafte Entdeckungsreise. Wenn du wieder auf dein Land fluchst, erinnere ich dich an die schönen Dinge wie das Essen, der Familienzusammenhalt, eure Musik, eure atemberaubend schöne Natur. Bei allen nachvollziehbaren Missständen kann man durchaus glücklich sein, du gabst mir sogar Recht. Dann wurden wieder irgendwelche friedlichen Demonstranten in unangemessener Härte von der Polizei angegriffen und du wurdest wieder wütend und emotional. Ich hatte Angst die nächsten Jahre nur noch Urlaub in der Türkei machen zu „müssen“ bis du in drei oder vier oder zehn Jahren vielleicht, aber auch nur vielleicht nach Deutschland kommen könntest. Dieser Drang nach Reisefreieit ist ein Luxusproblem eines neugierigen Vogels wie mich. Wir hatten nur ein paar Stunden in Nice Frankreich  zusammen verbracht als du die ganze InterRail-Netzwerk-Gruppe ephorisch und panisch gemacht  hattest und ihnen unsere Geschichte erzählt hattest… dein persönliches „Before Sunrise“ (Film aus dem Jahr 1995) hast du es genannt. „Wir haben Fans.[…]“ hast du gesagt „[..] viele!“ 260 Gruppenmitglider „gefiel“ das. Der Beitrag wird bis heute noch kommentiert und zählt aktuell 260 Kommentare. Klar fand ich deine Euphorie romantisch und nahm deine Einladung die „echte Türkei“ kennen zulernen an. “Happyness only real when shared” aus dem Film „Into the wild“ wird unser Lebens-Motto, wir teilen unser Glück nicht nur mit uns, auch mit der Außenwelt, das macht das Glück realer. Du träumtest deinen Traum von einem Leben in meinem Europa und ich träumte mit… von einer internationalen Hochzeit… erst klein und intim, dann groß und laut. Nach einem Jahr Fernbeziehung beherrsche ich das Zwei-Daumen-Schreiben auf dem Fernschreiber und andere Fähigkeiten zur Aufrechterhaltung einer Fernbeziehung wie das Erstellen lustiger Videos oder Fotos. Häufig und schnell zu schreiben mit kurzen Reaktionszeiten war dir wichtig, das habe ich nun beibehalten, darauf wurde ich konditioniert.
Meine Reisen in deine Welt war wie ein Traum und es kam mir so unwirklich, fremdartig schön vor. Diese Geschichte ist bis heute nicht aufgeschrieben, der Blogeintrag endete mit meiner Ankunft in Aydın im Agust 2014.

Aydin, Türkei
Aytepe Mesire Alanı/Zafer,09010 Aydın Merkez/Aydın,Türkei

Mittlerweile sind viele Erinnerungen verblasst, manche sogar verschwunden. Und ich hänge sehr an diesen wertvollen Erinnerungen, stattdessen habe ich mir irgendwelche Gerüche gemerkt und unnützes Schulwissen, welches ich nie wieder brauchte. Als du mich im Sommer 2015 für fünf Wochen besucht hattest musste ich endgültig begreifen, dass mich der Altersunterschied doch mehr interessieren sollte als mir lieb war. Du hast sehr viele Fragen mit diesem jugendlichen, trotzigen Unterton gestellt. Ich konnte dir nur sagen, dass du die Antwort irgendwann selbst „erfahren“ wirst, aber ich dir nicht die Person sein kann mit der du diese Erfahrung im Schnelldurchlauf abhaken kannst. Da waren häufig Muttergefühle, auch Liebe, aber eben die falsche Art. Ihr habt mich in eure Familie aufgenommen ohne zu zögern und ohne wenn und aber, es gab Zweifel, aber ihr habt es uns versuchen lassen. Ich beendete unsere gemeinsame Geschichte schriftlich, da war ich gefasster, aufgeräumter, sachlich und fairer. Aber euch aus meinem Leben streichen kann ich nicht, keinen, auch dich nicht. Mein Besuch ist  Abschied und Neuanfang zugleich. Ihr habt mir vieles beigebracht und eben auch das mal nicht so „deutsch“ zu sein, stattdessen mehr Herz mit weniger Skepsis.  Da war und ist mehr als nur Gastfreundschaft, das wollte ich mir bewahren. In mir trage ich auch dieses Feuer welches bisher nur einigen Völkern dieser Erde zugeschrieben wird, schon immer, da überschreitet man aus Euphorie auch mal Grenzen.

Dieses mal wird mich niemand vom Flughafen abholen, …

… an die Hand nehmen, für mich bezahlen, für mich sprechen und Entscheidungen treffen. Bisher konnte ich hier immer komplett abschalten, sogar meine verbale Kommunikation und nur alle Geräusche, Gerüche, Gefühle und Geschmäcker aufsaugen und die Menschen bei Gesprächen in einer mir unverständlichen Sprache beobachten und dem wohlklingenden Austausch lauschen ohne Inhalte verarbeiten zu müssen.  Nun werde ich auf mich alleine gestellt sein. Dementsprechend bin ich schon Tage zuvor so aufgeregt, dass ich glaube mir einen Magen-Darm-Virus eingefangen zu haben.
Nur mit Handgepäck zu reisen erfordert mehr Packzeit als einen großen Koffer voll zu packen… Zahnbürste, ein Stück Seife, kleine Dose Creme, einen dicken Pullover, eine Hose, ein Kleid(chen) platzsparend, leicht und universell auch mit anderen Sachen kombinierbar muss reichen… Der Rest ist Fotoausrüstung, kleines Wörterbuch, Reiseführer, Tabletten gegen Magenbeschwerden.
Bis ich zu dieser Erkenntnis gelangt bin wie ich minimal packe, musste ich immer wieder Sachen ein und wieder auspacken… noch mal kurz überlegen. .. da hatte ich doch noch was leichteres, was man leichter waschen oder nie waschen und/oder leicht trocknen kann… rein,raus…rollen, falten,knüllen,quetschen und noch mal von vorne… stöhn. Ach das nehme ich doch nicht mit, oder doch… ah…Zzzz 5Uhr.

Erinnerungen kommen zurück

Bei dem Stichwort „Magenprobleme“ da kommt eine Erinnerung zurück. Wie ihr da alle zu acht am Tisch gesessen habt und in einer für mich außerirdischen Sprache über meinen Verdauungstrakt diskutiert habt. Sogar beim Onkel in Istanbul habt ihr angerufen und diskutiert. Wenn mein Name fiel „üüütschli… Katjaaa… ablablühütürü“ mit besorgtem Blick… wusste ich immer es geht um mich. Dann kam “Baba” mit einer Wurzel um die Ecke, 5 Minuten später “Anne” mit einem Tee…und am nächsten Tag… der erwartungsvolle “Und?”-Blick… ich mit rotem Kopf… “hmm nee” und alle wussten Bescheid. Baba sagte mir schon nach zwei Wochen dass er mich liebt, dass mit der “Liebe” geht hier schnell, ich traue den Menschen hier aber auch irgendwie zu dass sie nicht lange brauchen um diese Chemie zu spüren, wenn man den Blick ins Herz drauf hat.

Ich hatte mir Kartenmaterial für die halbe Türkei runtergeladen und bin die Strecke durch das virtuelle Auge schon abgelaufen. Ich fühle mich vorbereitet: Tasche check, Tickets und Reservierungen chronologisch durchnummeriert du Spießer, Batterien geladen, Kopf dran… kann los gehen. Zu welchem Flughafen noch mal und wann war noch mal der Flug und der is doch morgen und auch dieses Jahr?!

Angst

Auf dem Parkplatz am Flughafen Antalya herrscht leere, der Schalter zum Geld wechseln hat geschlossen. Was ist hier los? Antalya wirkt im Winter wie eine Geisterstadt.

Flughafen Antalya im Winter
Ich schmeiße den Navigator an um meine Position und nächsten Schritte zu planen an. Der Navigator sagt mir so ziemlich genau dass ich mich in der Türkei befinde, irgendwo auf einem Flughafen. Ich laufe planlos los in der Hoffnung dass der Navigator außerhalb der Flugzone für die präzisen deutschen Ansprüche genauere Angaben machen kann . Nachdem ich nicht mal 200 Meter gelaufen bin, hält neben mir ein kleiner weißer Bus mit 7 Touristen drin. Der Fahrer fordert mich auf einzusteigen ohne mein Ziel zu kennen oder auch nur danach zu fragen. Bevor die Alarmglöckchen schellen, husche ich in den Bus und lasse die hinderlichen Panikmacher-Glocken lautlos hinter der Schiebtür auf den Asphalt fallen. Der Anblick der touristisch aussehenden Bleichnasen hat mich überzeugt… das laminierte Schildchen mit “Beer 3Euro, Cola 1 Euro” kam mir auch höchst verdächtig vor. Der Chauffeur fragt mich nach “Adress?”. Ich fuchtle mit meinem Smartphone vor seinen Augen rum, in meinem Gesicht steht in leuchtenden Buchstaben “PANIK” geschrieben. Die deutschen Touristen glotzen mich etwas missachtend an. Bin der Meinung dass der Fahrer verstanden haben müsste, wo ich hin will. Er fragt wieder nach “Adress?”. Eine Frau in meinem Rücken abfällig: “Hat se wieder vergessen.” Ne du Trulla, ich hab Angst. 😛
ICH BIN EIN BUDDHA…. endlich kann ich mein Programm in der Praxis anwenden… ICH HABE ANGST, DAS IST ANGST… einatmen, ausatmen, handeln nicht mit dir geschehen lassen…. Draußen geht die Sonne hinter einer fantastischen Bergkulisse mit Schneehäupchen und kleinen Puffwölkchen umringt unter. Ich mache Fotos und filme, das beruhigt und beschäftigt mich, zudem kann ich den Blicken der Insassen ausweichen und mich hinter dem Sucher meiner Kamera verstecken, ein kleiner Trick auch bei komischen Partys… sich als den Fotografen geben, dann hat man immer eine sinnvolle Aufgabe statt hübsch beim Essen und reden auszusehen.

Ankunft in Antalya bei Sonnenuntergang aus dem fahrenden Bus
Ankunft in Antalya bei Sonnenuntergang aus dem fahrenden Bus

Mein Navigator redet nun endlich mit mir. Der Bus fährt genau in die falsche Richtung. Ich entferne mich von Antalyas Mitte Richtung  Luxushotels. Mein Gesicht bekommt wieder diesen verzweifelten Ausdruck, ich glaube der Mann neben mir bekommt gerade Mitleid.

Nach 45 Minuten sind alle Luxusgäste in Ihren Hotels abgeladen, auch die Trulla und der Mann mit dem mitleidigen Blick. Der Fahrer räumt den Vordersitz frei und bittet mich neben sich… ich wieder Panik: Beine zusammemdrückend, Kragen ran, Pass an den Körper gepresst, achtsamer Blick aber nicht in seine Augen schauend. Einen Mann in die Augen zu schauen könnte  missverstanden werden, so steht es in meinem Reiseführer. Wieder “Adress?”. Man, der will mich doch veräppeln. Will er, professioneller Hoteltransfer-Service-Fahrer aus Antalya kommend, mir vorgaukeln DAS Touristenzentrum von Antalya nicht ohne meine Hilfe und das Navi ausmachen zu können?!?!?!? Da ich als “Geisel” nicht in der glücklichen Lage bin diskutieren zu dürfen, weise ich ihm brav alle 5 Minuten nach Aufforderung den Weg, denn ich sei der “Chef” betont er immer wieder. Wir finden uns nach weiteren 45 Minuten in der “Rush Hour” wieder. Er ist müde, scheiße jetzt macht er mir auch noch ein schlechtes Gewissen. Im Radio dudelt Tarkan… yeah das kenn ich… und summe mit, das beruhigt die Geiselnahme-Stimmung. MY DRIVER dreht drauf… na das wird ja doch noch nett. Als die Fahrt irgendwie kein Ende zu nehmen scheint, beschließe ich den Rest zu Fuß laufen. Weil ich ihm ehrlich Danke sagen will umarme ich ihn schnell. Daraufhin schreibt er mir seine Nummer auf mit den Worten, wenn ich Hilfe brauchen sollte, solle ich ihn anrufen. Siehste… Menschen sind gut und zwar die meisten, OOOOHMMM!

Die Sonne ist schon lange untergegangen. Das Hostel finde ich dank Navi sehr schnell, zudem hört man die Musik schon von weitem und es wurde gerade Feuer gemacht. Ich bin der Einzige Gast in der Villa und auch somit allein in meinem 4-Betten-Schlafraum, nah am Meer mitten in der touristischen Altstadt. An mir klebt das Parfum des Busfahrers von der kurzen Umarmung,  das ist mir unangenehm. Ich kann mein Hostelzimmer noch nicht bezahlen. Man sieht es locker und ich könne auch morgen  noch bezahlen, sobald ich halt Geld tauschen könne.

Gastfreundschaft

Der Hostel-Boy macht mir ein Brot für meinen hungrigen Magen. Der ergraute Hostel-Vater bietet mir derweil ein geschnitztes Apfelstückchen an. Gemeinsam sehe ich sie grinsend hinter der Theke an meinem Brot rumschmieren. Pommes, Brot und Paprika werden mir in 5-Sterne Optik mit Mayonaise und Tomatenmark verziert serviert. Was die Trulla in ihrem Luxushotel wohl gerade serviert bekommt?! 😉

Antalya Hostel Abendbrot und schwarzer Tee
Antalya Hostel Abendbrot und schwarzer Tee

Das Role Street Hostel ist ein Gesamtkunstwerk, der Garten lädt zum chillen in alten Stubenmöbeln, Hängematte oder stehend an der Feuertonne ein. Die Musik wird fein säuberlich von den Hausherren ausgesucht und beschallt Garten und auch die dünnwandigen Räume der Villa. Der Hostel-Boy ist Graffitikünstler… die ganze Villa hat er mit Farben aus der Sprühflasche gekonnt veredelt. Er träumt von einem Graffiti-Streifzug in Berlin, hat er sich bereits mit der Szene dort vernetzt. Mir war nicht bewusst dass Graffiti-Künstler über die Kontinente hinaus international vernetzt sein würden… was wohl der Masterplan dahinter ist? Die Welt bunt machen und wenn alles bunt ist, wieder weiß, damit sind wir bis auf alle Ewigkeit beschäftigt.

Der Berg ruft: neun Kilometer von Kemer nach Göynük

Am nächsten Tag bin ich mit meiner Familie aus Antalya verabredet. Kurz vor sieben Uhr verlasse ich im Morgengrauen in Vorfreude und mit Glücksgefühlen mein warmes Hostelbett in die verrauchte Stadt. In der Türkei wird vielerorts noch mit Holz und Kohle geheizt, weil Öl hier sehr teuer ist. Der Geruch ist fast typisch für die Türkei im Winter. Meine „Familie“ hat mir Brote gemacht und mich Wasser und Obst für die Wanderung versorgt, ich habe nun die beruhigende Gewissheit noch ein Teil von euch sein zu dürfen. Das letzte mal habe ich euch vor rund einem Jahr gesehen, aber wir sind uns nicht fremd geworden, noch nicht…? Immer Sonntags finden professionelle geführte Wandererungen durch die vielfältige Landschaft Antalyas statt.  Als Mitglied einer 50-köpfigen Wandergruppe kraxeln wir im Gänsemarsch in den Bergen Antalyas rum, angenehm schweißtreibend über Stock und Stein, über kleine Bäche, durch Sträucher und Geäst, steil und holprig, teils unbefestigt und unter hoher Sturzgefahr. Zwei Weggefährten stürzen trotz professionellen Schuhwerks und Wanderstöcken, so dass mir kurz der Atem stockt. Sie haben Glück und können ungeschadet weitermarschieren. Damit niemand auf dem Marschweg vergessen wird oder verloren geht, wird regelmäßig durchgezählt… „bir, iki, üç, dört, beş, …, Ähhhh…, on altı, on yedi, On sekiz“. Ich bin die „Ähhh“, weil ich noch nicht auf türkisch zählen kann und unterbreche damit regelmäßig den Counter-Gesang. Meine Freundin „Sina“  singt für mich das einzige deutsche Wanderlied welches sie kennt: „Grün, grün, grün ist aalles woas iccch chabe, grün, grün grün is aaaalles was ich mag, darum mag iccch aaaalles was so grün ist, waail main Schoatz ain Jaeger ist.“

Ich schmecke Salz und spüre den leichten Schmerz meiner austrocknen Haut, zum trinken bleibt kaum Zeit. Immer wieder rupft man Blätter von Zweigen und Sträuchern um sie mir unter die Nase zu halten. Es spricht sogut wie niemand Englisch, somit verständigt man sich mit mir nur durch zulächeln und lang gezogenen „Mmm“’s um mir mitzuteilen wie toll etwas riecht . Selten hat mich eine Aktivität so positiv fertig gemacht. Am Ende unserer Wanderung machen wir Rast an einem Bergbach mit kristallklarem Wasser, an dessen Ufer ein kaputter Gummireifen liegt, der erahnen lässt welchen Spaß man im Sommer hier gehabt haben muss. Ich rieche den Duft von Orangen. Einige Wanderer hatten sich der natürlichen Speisekammer der Türkei bedient und aßen nun genüsslich auf den von der Sonne erwärmten Felsen die Frucht der türkischen Wintersonne.

Am Abend bin ich spontan zum türkischen Tee und Essen bei meiner „Familie“ eingeladen, wo ich meine Erlösung finde als ich wieder in die vielen bekannten Gesichter blicken darf, lächelnde Gesichter, die mich nicht vergessen haben. An großer Tafel wird gespeist. Ich habe beobachtet, dass es hier nicht unhöflich zu sein scheint, aufzustehen sobald man mit dem Essen fertig ist und dieses mal soll ich mich auch nicht gezwungen sehen etwas zu essen, was ich nicht möchte. Es gibt so eine Art Eintopf mit Spinat und ganzen gekochten Eiern, dazu werden gebratene Nudeln und die Basis aller Mahlzeite, Weißbrot, gereicht.  Die großen Weißbrot Laiber werden in Stücke gerissen. Was übrig bleibt, egal wie zerrissen es aussieht, wird zurück in eine Tüte gebackt und bei der nächsten Mahlzeit erneut verteilt.  Das kleine Mädchen gegenüber starrt mich die ganze Zeit an, ich… das „süße“ Mädchen mit den „goldenen Haaren und den Ozean-Augen“, wie mich „Ale“ häufig beschrieb. Die Verabschiedung von Oma, Mama und Papa geht schnell, so dass es nicht emotional werden kann. Wann und ob ich sie wiedersehen werde ist ungewiss, aber es ist schön zu wissen dass man willkommen ist.

An der einsamen Küste entlang, am türkisblauen Meer

Am nächsten Tag laufe ich stundenlang  auf dem übrigens sehr schönen asphaltierten Rad-Lauf-Spazier-Weg die Küste von der Altstadt in Richtung Anlanya ab, tanke Sonnenlicht, sehe mich am türkisblauen Meer satt und atme immer wieder die angenehm kühle Luft ein. Die Stadt putzt sich gerade für die anstehende EXPO 2016 heraus, die Männer heben stinkende Schlammlöcher aus und Frauen in Kopftuch und bunt gemusterten, traditionellen Pumphosen hacken die Blumenbeete und Grünflächen. Ich genieße meine Einsamkeit und Unterreche die Ruhe nur für einen Einkauf in einem kleinen Supermarkt mit ungewöhnlich lauter Disco-Musik, so dass ich mich bedrängt fühle durch die Regalreihen zu tanzen und blöde Selbstportrait-Fotos in den spiegelnden Teekannen zu machen. Ich erstehe für 1,50 Lira eine türkische Hand- und Körpercreme. Fortan trage ich den Duft der Türkei auf meiner Haut, die kleine Quetschtube dürfte genau für meine Reise-Tage reichen.

Für den Tag gibt es nichts aufregendes zu berichten, was in Worte zu fassen ich in der Lage wäre, somit lasse ich Bilder sprechen.


 

 

Heute wieder ziellos umherspaziert… und den Lebenssinn gefunden… im Kaffeesatz! „Aşkla kalın!“

Am Abend schleiche ich mit meinen Lieblings-Locken-Köpfen durch die Altstadt und beenden den Abend bei türkischem Tee und traditionellen türkischen Mokka mit „turkish delights“ (türkischer Honig). …und statt in der Zeitung in meinem Kaffeesatz mein Horoskop lesend. Wer hätte gedacht, dass ich die Antworten auf all meine Fragen die mich seit Monaten beschäftigen in ein paar gerösteten und gemahlenen, aromatisch-bitteren Bohnen, in einem Heißgetränk finden würde.

Durch die Nacht, in 12 Stunden von Antalya nach Istanbul

antalyaAm nächsten Tag laufe ich von der Altstadt, über den kilometer langen Kiesstrand mit zahlreichen leerstehenden Strand-Restaurants bis zu der Krabbe Sebastian in eines der größten Aquarium-Komplexe der Welt. Da ich dort einen Großteil meines Reisebudgets lassen „muss“, verbringe ich minutenlang vor den dicken Scheiben hockend bis ich glaube selbst ein Fisch zu sein.


 

 

Am Abend setzten mich meine Freunde in den Nachtbus Richtung Istanbul. Ab hier bin ich nun auf mich alleine gestellt…. zwölf Stunden durch die türkische Nacht mit Endstelle Istanbul Asiatische Seite… irgendwo auf einem kleinen Busbahnhof in Ümraniye.