Alter Keks

Pünktlich fünfzehn Uhr dreizig trifft sich die Familie an Omas Kaffeetisch. Jeder hat sein Platzdeckchen und einen Pott Kaffee… ich und Mama schwarz ohne Zucker, Papa mit Zucker und Kaffeesahne, Oma  mit ihrem speziellen Kaffeecocktail aus fünfzig Prozent Bohnenkaffee und Cappuccino-Pulver. In der Mitte steht eine alte Lebkuchen-Dose mit Cookies vom ALDI und einem alten selbstgebackenem „dünnen Zucker-Gebäck“, nach Omas altem Backstuben-Rezept.  Neugierig dennoch vorsichtig beschnuppere ich  das antik gewordene Gebäck mit folgendem Kommentar: „Wann wurde der gebacken?“. Oma erwidert „Vor an­dert­halb Jahren. Der ist noch gut.“ Papa kann es sich nicht verkneifen und entgegnet: „Bei Oma wird nie was schlecht und diese Plätzchen riechen schon so, wenn man sie frisch aus dem Ofen nimmt.“  Der Geruch ist von Schmalz geprägt aus dem das Gebäck zu nahezu hundert Prozent zu bestehen scheint. Oma kommt aus einer Kriegs-Generation. Mir kam es so vor, dass alle Rezepte mit Zucker, Wasser und Mehl auskommen mussten. Die Zugabe von Ei und Nüssen sowie Vanille-Aroma war dann schon Luxus.
Zögerlich knabbere ich ein Stück vom Gebäck, erwarte einen ranzigen Geschmack und stelle überraschend fest, dass es noch ordentlich schmeckt, nicht köstlich, aber entsprechend meiner niedrigen Erwartungen: Astronautengebäck.  Oma kaut genüsslich die andere noch recht knusprige Hälfte.

Generation Krieg schmeißt nichts weg und faltet Plastiktüten und Geschenkpapier zu Wiederverwendung. Es gab auch noch Zeiten da wurden Socken gestopft, Strumpfhosen-Laufmaschen geklebt und Radios repariert… heute sagen wir „Kauf doch neu, ist billig.“ Manchmal heißt es sogar „Kaufen, ist billig… brauch ich zwar nicht, aber hey ist billig und wenn du zwei kaufst sparst du sogar zwanzig Prozent pro Produkt und hast zwei Dinge die du nicht brauchst.“

Grüße von der 85er Generation