Basel-Allica: One Night in Basel

Sinnemanie Basel
Sinnemanie Basel

Auf meinem Weg nach Italien mache ich Zwischenstop in Basel, schöne Fahrt durch schöne Landschaft, schöner Bahnhof, schöne Menschen, schöne Preise. Ich bin mal wieder überhaupt nicht vorbereitet, weiß nicht wie man hier bezahlt, dass es einen Zoll gibt und welche Sprache man hier spricht. Im ersten Hostel teilt man mir mit, dass alle Hostels und günstige Unterkünfte ausgebucht sein würden aufgrund eines Metallica-Konzertes. Für diese Nacht lande ich auf der Straße. Es fängt an zu donnern, zu Blitzen und zu pladdern. im Bahnhofswartebereich gesellt sich irgendwann ein stickender hypnotisierter Penner dazu. Mein Pfefferspray wandert von der hintersten Ecke meines Packmonstrums in sichere Greifhöhe meiner Hosentasche. Nach einem Schlummerplatz suchend entdecke ich einen jungen Mann stilvoll gekleidet mit Hut und Gitarre, geheimnisvoll wie sich herausstellte. In Hoffnung die ganze Nacht bespielt zu werden setzte ich mich neben ihn vor einem Kiosk. Plötzlich kam ein Passant vorbei und holte im Laufschritt noch seine Plastikflöte heraus und fing mit an zu spielen. Wird das jetzt ein Flashmob, kommen da noch mehr? Nein, es war Zufall. nach einer viel zu kurzen Session verabschiedet sie sich freundlich. Als der Jüngling die Gitarre absetzt bezahle ich ihn in Lächeln und zögerlichem Klatschen. Ich bekomme ein Lächeln zurück und er bietet an mir einen „cheesy“ Zaubertrick zu zeigen… ich sollte mir eine simple Farbe vorstellen. „Rot“. Er zog einen roten Würfel aus der Tasche und ließ ihn verschwinden. Es funktioniert, ich freue mich. Er schenkt mir einen kleinen Würfel, ich sollte ihn sicher bewahren.

Immer mal wieder kommt eine Gruppe Metallica-Fans vorbei. darunter auch ein verwirrter bärtiger und bäriger Mann mit bäriger nackten Oberkörper. Verwirrt sucht er Kontakt zu uns, er hätte seine Freunde verloren und würde frieren. Süß, denke ich. Er sieht unschuldig aus. kurz überlege ich ihm eine Hemd von mir zu geben, was auch mein Reisegepäck erleichtern würde. Ich trau mich nicht.

Der Kioskbesitzer kommt aus dem Laden und schenkt uns jeweils eine Büchse „Drink of the World“-Bier. Wie passend.

Als das Mobiltelefon des Jünglings sich meldet reicht er mir die Gitarre. Wir stellen fest, dass mein Schuhwerk nicht ins Bild passt. ich ziehe für ihn meine Wanderschuhe aus und meine Tanzschuhe an, er ist zufrieden. nach zwei weiteren Telefonaten muss er sich leider von mir verabschieden. Eine sonderbare Begegnung.

Kontrastprogramm folgt. Ein betrunkener Metallicafan natürlich. Beat kann nicht glauben, dass ich den Riesen Rucksack wirklich selbst trage. Sich immer wiederholende Fragen folgen… Wie alt bist du, nein glaube ich nicht, warum reist du, wie lange, wohin, wie alt bist du, wo kommst du her, wie lange bist du hier, warum reist du, warum reist du, wie lange bist du hier, wie lange reist du, wo kommst du her, du kannst bei mir ein Bett haben fragt er vorsichtig und ich kann seine Alkoholfahne riechen die eine kleine Senfnote hat… und ja ich willigte ein, weil ich seit Wochen wenig geschlafen hatte und die Zeit bis 6Uhr rumkriegen musste und weil ich wissen wollte wie es weitergeht. Darum mache ich das wohl immer, ich will immer wissen wie es weitergeht, wie weit es geht, bis einer nicht mehr geht. Zudem lässt ihn sein Akzent harmlos erscheinen, sympaddischschschsch…meine ich. Im wieder „faustet“ er mir kumpelhaft zu.
Er würde 20 Zugminuten von hier wohnen, dann noch mal 15 zu Fuß… wir hetzen zum letzten Zug, er trägt meinen Rucksack wieder völlig beeindruckt, dass ich dich tragen kann. Es folgt eine amüsante Bahnfahrt mit den sich wiederholenden Fragen in deutsch-englisch-Schwiezerdütsch und eine Diskussion mit einer genervten Freundin über meinen Rucksack und Gewichtsvelagerung, dafür bräuchte man keine Muskeln, wenn „sie“ (damit bin ich gemeint) das auch hinbekäme und ich ja ganz gut Schweizerdeutsch verstehen würde. Beat fühlt sich komisch, wenn ich Hochdeutsch spreche, wir sollten Englisch reden, dass hätte er damals in England auf Montage in einem vierwöchigem Crashkurs gelernt. Nach 30min kamen wir am Zwischenziel an und mir wars dann doch zu heikel. ich entschied die nächste Bahn WIEDER zurück nach Basel zu nehmen, um schlussendlich das gesparte Hostelgeld für ein Brötchen und einen Capuccino auf den Kopp zu kloppen. Den Rest der Nacht verbrachte ich mit Metallica-Leichen in einem Bahnhof-Café diesen Beitrag schreibend… Foto vorhanden *grins*.
Verzaubert, verängstigt, müde, Sinnemanie

Soundtrack zum Tag und mitfühlen:

„Nothing Else Matters“ von Metallica, interpretiert vom Jugendchor Scala & Kolacny Brothers

Grenzwertig: von Trier nach Luxembourg

Sinnemanie Trier Luxembourg
Sinnemanie Trier Luxembourg

Ich verlängerte meinen Aufenthalt in Trier um einen Tag, um die nächsten Tage zu planen und einen Sonnenuntergang in den Weinbergen zu erleben. Ich habe nicht viel nachgedacht, was eher ein Fort- als ein Rückschritt bedeutet.

In einem Buchladen erstand ich mir drei Mini-Sprachführer, Französisch, Spanisch und ein Bilderbuch zum Zeigen für Hände-und-Füße-Kommunikation, ein MUSS für Weltenbummler. da ich keinerlei Fremdsprachentalent aufweise, wird dieses Buch mein Lieblingsbuch werden. Mit diesem Buch werde ich die Königin bei feucht-fröhlichen TABU-Spieleabenden werden!

Strom und Internet stellten sich bisher als Mangelware heraus, ich musste freies WLAN und Staubersauger-Steckdosen in großen Restaurantketten ausfindig machen, um diesen Blog schreiben zu können, demnach konnte man mich in einem Restaurant auf dem Boden krauchend und auf einem Gehweg vor einer großen Schnellimbisskette in der „Hot-Spot-Zone“ erblicken.
Da Trier recht überschaubar wirkt, überrascht es mich zu dem Strom-Internet-Problem noch, dass es ein im Verhältnis zum Stadtzentrum großes Rotlichtviertel aufweist. ich weiß gar nicht wo ich hingucken soll, als Murat mit Jaqueliene im Schlapptau, einem Bottich Eiswürfel und den Worten „Hast du schon geduscht?“ den 007-Club in Richtung Kombi verließ.

Luxembourg war nur einen Katzensprung entfernt und somit mein nächster Zwischenstopp. Die Luxemburgischen Bahn-Durchsagen klingen nach Fantasiedeutsch, Luxemburgisch wohl. In der Stadt herrscht französisches Flair, alte Gebäude, Blumen, hübsche Menschen und Fashion.

Mit dem übergroßen Rucksack ziehe ich einige Blicke auf mich, ich interpretierte sie als respektvoll und fühlte mich wie Pippi Langstrumpf das Hauspferd stemmend.
Pausiernde gleichgesinnte Rucksackreisenede grüßen mich jedoch stets freundlich fast freundschaftlich als gehörten wir zum gleichen Verein. Irgendwie gehören wir das wohl auch. Club der Fernwehkranken.

Eine heimische junge Frau bietet mir an ein Foto von mir zu machen, ich nutze die Gelegenheit um mit ihr ihre Mittagspause zu verbringen. Sie kommt ursprünglich aus den Niederlanden, aber arbeitet nun hier in Luxembourg zwischen den wohlhabenden Menschen die wohl mit Stolz ihre eigene Sprache sprechen. Das Mädchen im Blümchenrock und grasgrüner Plastikuhr erzählt munter fort und gibt mir gleich ein paar Luxembourg-in-drei-Stunden-für-wenig-Geld-Tipps, während sie ihr Brötchen in eine Feinschmecker-Käsezubereitung stippt. Das ist dann wohl der Geruch den ich nun mit Luxembourg in Verbindung bringen werde in Zukunft.
Sie erzählt mir von ihrem Rucksackreisen-Fazit in Australien und dass sie 300 Euro für Kaffee ausgegeben hätte, um das WLAN der Schnellimbisskette nutzen zu können, um wiederum stundenlang mit ihre Mama zu skypen und zu chatten. Ihr erinnert euch sicher an das eintretende Heimweh, wenn das Fernweh gestillt wird. Seitdem hat sie ihren Kaffeekonsum auch drastisch reduziert und nach der zweimonatigen Australienrundreise sei sie wohl auch des Reisens etwas müde geworden. Mit Couchsurfing hätte sie durchweg gute Erfahrungen gemacht, da es einfach „handy“ wäre kostenlos auf einer Couch übernachten und auch noch Informationen aus erster Hand zum Aufenthaltsort zu bekommen und im besten Fall sogar einen Reiseleitung und Partybegleitung für die Stadt zu haben.
Sie hat mich unbewusst sehr motiviert. Ich mag die Niederländer und sie wohl mich, dass wir uns immer wieder zufällig finden. An dieser Stelle möchte ich ganz lieb Fenna grüßen.

Auf dem Weg zu der nächst gelegen empfohlenen Sehenswürdigkeit droht ein Arm abzusterben, weil der Gurt ihn aufgrund der Masse und der zusätzlichen 3Liter Trinkwasser an Bord abschnürt. Ich gönne mir aromatisiertes Eiswasser in schwarz-rot-Gold (Cola, Erdbeere, Zitrone) und ein Zitronentörtchen mit Baisér.
Schließlich hatte die Feine-Küchlein-Café-Bedienung etwas an meinem großen Gepäck auszusetzen, als ich sie mit meinen großen ich-nicht-verstehen-Augen ansehe, dreht sie sich wortlos um und geht. Hmm, weil ich sagte „no, I speak nur inglisch!?“ Also den kürzesten Weg zurück zum La Gare, um meine Reise durch Europa fortzusetzen…

suchend, schleppend, Sinnemanie

Bis zum nächsten Hot- und Power-Spot! 😉

Soundtrack zum Tag und mitfühlen:

„Hey Pippi Langstrumpf“ hopsasa…

Tag eins und zwei: Lektion Spontan reisen

Berlin - Frankfurt - Trier
Berlin – Frankfurt – Trier

„Wie ist deine Route? Wo willst du überall hin?“ Ich hatte und habe keine Ahnung. Ich hatte mir wenige Stunden vor Abreise in einer Nacht ein paar Entfernungen zwischen bekannten Metropolen und kleineren Städten im Internet mit Hilfe einer Routenplanungssoftware schnell optisch sinnvoll zusammengeklickt.
Nun fragte mich ein Kollege, nennen wir ihn an dieser Stelle „Herrn Schmidt“, ob ich ihn am nächsten Tag nicht ins ferne Frankfurt am Main begleiten möge, als Unterhalter sozusagen und insgeheim um einen Platz in meinem Blog zu bekommen. Wir fühlen uns beide geschmeichelt an dieser Stelle. Frankfurt lag nicht im Radius meiner hübsch, spontan gemalten Route. Also wurde alles wieder verworfen und Dank des Herrn Schmidt bereise ich nun erst den heißen Süden und hatte einen sanften Start.
Nach einem Abschiedsmarathon und wochenlanger mentaler Vorbereitung, packte ich dann doch 3 Stunden vor Abreise meinen Rucksack. Nachdem ich eine neuntägige Chinarundreise mit Handgepäck überstanden hatte, bildete ich mir ein 120Liter locker „unterpacken“ zu können. Das Schleppmonster war in 20min zugepackt, solange ich noch eine Kniebeuge damit hinbekomme sei aber alles im grünen Bereich motivierte ich mich.
Meine Reise begann nun recht sanft mit einer langen, entspannten Autofahrt zur schönsten Sonnenuntergangszeit entlang der wohl schönsten Autobahnstrecke Deutschlands für mein Empfinden. Den Kitsch wie in Beitrag Nummer eins beschrieben bekam ich nun zu sehen und ich steckte meinem inneren Pessimisten die Zunge raus. Bääääh, siehste! Herr Schmidt lieferte mit König der Löwen-Musical-Klängen den optimalen Sountrack des Moments als sich entlang der Autobahnstrecke hügelige Landschaft mit Bäumchen, Flüsschen und Feldern mit Heißluftballons zwischen Puffwölkchen ins schönste Gold-Orange gekleidet auftaten. Ich wurde immer stiller und fühlte mich wie auf einer Afrikareise. Vielleicht hätte eine Deutschlandreise auch erst einmal gereicht, grübelte ich. Herr Schmidt beruflich ein harter Geschäftsmann bekam überwältigt von der Musik Gänsehaut, dieser Kontrast beeindruckte mich und ärger mich von dem Moment der Ergriffenheit kein Fotos gemacht zu haben. Das waren schließlich die Momente, die ich „bereisen“ wollte. Eiswürfelgänsehaut sieht anders aus, die Härchen sind bei Musikgänsehaut rhythmisch gekrümmt während sie bei Kälte kerzengerade aufrecht stehen. Dieser Moment mit Musikgänsehaut lässt sich somit schwer einfangen, da man diese nicht nachstellen kann und die oft spontan, emotional kommen. Sexuell herbeigeführte Gänsehaut vibriert übrigens rhythmisch und die Härchen kräuseln sich somit fast wie ein Ringelschwänzchen. (Regieanweisung an den Leser: HAHAHA oder grinsen)
In Frankfurt empfing mich die Gastfreundlichkeit in Person,welche ich vergessen zu haben schien dass es sie noch gibt oder ich war zu anspruchslos. Ich kann das auch nicht so dermaßen ausarten lassen mit der Gastfreundlichkeit, dafür müsste ich mich ja vorbereiten und einkaufen. Erstaunlich was so ein Singlehaushalt an Kühlschrankinhalt hergeben kann. Einer außerordentlich Getränkeauswahl, 8 verschiedene Sorten Eiscreme, mind. 10 verschiedene Sorten Kaffee und eine Riesen Portion Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme auf den Gast. Ganz klar, der Mann erwartete Besuch zu jeder Zeit und wäre auf jede spontane Party vorbereitet. Ich linste ins Schlafzimmer und dachte mir, dass diese Rammelwiese mit gut gepolsterter Außenkante nicht nur den Zweck haben sollte ruhig und friedlich durchzuschlafen, aber vielleicht war meine Fantasie auch gerade getrieben von der DVD die äußerst präsent in der Wohnstube lag und den Titel „The Wolf of Wall Street“ trug, welche ihm vom guten Kumpel Herrn Schmidt wärmsten empfohlen wurde. Wer den Film kennt, kann meine Assoziationen nachvollziehen und bitte somit um Entschuldigung, wenn diese übertrieben sind.
Ich bekam die Couch und schlief in Gewissheit, dass die nächsten Wochen weniger luxuriös werden sollten erstaunlich gut. Ich hatte bei meiner nicht vorhandenen Reiseplanung vergessen, dass ich ein Heimschläfer bin und ja das andere Heim-… bin ich auch. Beides könnte zu ernsthaften Störungen nach 8 Wochen führen.
Am nächsten Tag verließen wir die Wohnung nach unserem Gastgeber ohne Schlüssel, was ein mulmiges Gefühl bei mir hinterließ. Die Tür fiel zu und damit Kontrollzwang-Panik-Ausbruch: Herd aus, Licht aus, Fenster zu, …Check, Check…Check? Meine Routine von Zuhause griff im morgendlichen Stress in fremden Wohnungen natürlich nicht. Und schon war der erste Anruf bei Mama fällig, die mich beruhigen musste. Das fing ja super an Katja und du bist nicht mal aus Deutschland raus.

Der Rest des Tages verlief einfach (-) einfach. Zug nach Trier, Ankunft Hauptbahnhof, ein paar hundert Meter geradeaus laufen in die Touristeninformation die einen binnen Sekunden einen Stadtplan mit einem Kugelschreiberkringel um den nächst gelegenen Campingplatz aushändigten. Nach 4KM Buckeltour entlang der schönen Mosel am Zeltplatz angekommen, begrüßte mich ein Niederländischer 61-jährigem Harley-Fahrer lächelnd und winkend, als hätte er meine Ankunft geradezu erwartet. nachdem ich nach 5min mein Zelt aufgebaut und bezogen hatte, stellte ich mich dem alten Herren gleich vor, ich verstand sein euphorisches Gewinke als Einladung dazu, bildete ich mir jedenfalls ein.
Schließlich ergab sich ein langes Gespräch über Europareisen, Berufswege, Schlafsäcke und die optimale Warmhaltetechnik in kalten Nächten. Ich erinnerte mich an ein Gespräch von unserem Betriebssommerfest vergangenen Freitag, als mich ein erfahrender Weltreisender motivierte auf meiner Reise überall schnell Anschluss zu finden, überall außerhalb Deutschlands. Die Deutschen sind nicht locker genug. Jetzt wusste ich was er meinte. Die Herrschaften an der Zeltplatz-Rezeption verstanden kein „Kundenfreundlich“ , aber als ich beim Überwerfen meines übergroßen Rucksacks fast umgekippt bin, glaubte ich etwas Mitleid in ihren Augen gesehen zu haben. Neeeeiiin geht schon, kein Problem. Also der Tag heute war zu einfach, so macht das ganze ja wirklich Spaß. Trier ist ganz nett, werde wohl noch einen Tag bleiben und mir doch mal einen Plan zum nächsten großen Ziel machen.

dankbar, lebbar, Sinnemanie

Soundtrack zum Tag und mitfühlen:

„Er lebt in dir“ vorgetragen vom Original Ensemble vom „Broadway Musical im Hamburger Hafen“