woanders

vom Album „Vor uns die Sinnflut“ Juni 2015 – Berge (http://www.hoertberge.de/)

manchmal stehe ich im Regen, und manchmal werd ich auch nass
Freunde kommen, Freunde gehen und über alles wächst Gras

ich muss immer gewinnen
den größten Berg erklimmen
auch wenn das was ich will nich für Geld zu kriegen ist

und ich finde es reicht
ich trete aus aus diesem Kreis,
denn wenn ich kurz an nichts denk
dann fühl ich mich leicht

auch der Regen is nur ein Moment der wieder vergeht
und er is dafür da mich abzukühlen, um endlich wieder klar zu sehen

ich werde sentimental wenn ich Kinder reden hör
ja es is immer alles möglich und auch gar nicht so schwer
von woanders kann ich besser sehen wie die Welt sich dreht
ich bin einfach kurz in einer anderen Realität

Und ich weiß auch genau wo mein Herz Zuhause ist,
doch an manchen Tagen ist es die Ferne, die deutlich zu mir spricht

Und deshalb bin ich woanders, um bei mir zu sein
und ich bin manchmal anders, um wieder ich zu sein
Und die Welt um uns wandert, aber niemals, niemals allein

ich bin ein anderer Mensch, wenn ich mich kurz wegdenk
bin immer da wo mich grad meine Fantasie hinlenkt
zu funktionieren ist nicht schwer,
doch das gefällt mir nicht mehr
und deshalb fang ich wieder an auf meinen Bauch zu hören,
doch der is kaum zu verstehen, wenn jeder ne Meinung hat
Ich möchte einfach nur gehen, ich hab das Reden satt
Ich mach jetzt nur noch das, was mir am Herzen liegt
und ich freu mich auf die beste Zeit, die mir das Leben gibt

Naomi Klein – „they say I’m polarizing“

Wenn mein „Bester“ und ich uns treffen werden die Gespräche immer lang und intensiv. Wir sprechen über unsere Träumereien und Visionen. Er macht revolutionelles, provozierendes Theater… und versteht meine Sorge um die Zukunft unseres unschuldigen blauen Planeten. Die Sonne ist bereits untergegangen. Es ist Ende Oktober und viel zu warm. Der letzte lange Winter mit meterhohem Schnee muss in meiner Kindheit gewesen sein. Er erzählt mir beruhigender Stimme, dass er auch Angst hat, er der große mächtige Theatermacher und ehemaliger erfolgreicher Boxer. Was könnte ihm schon Angst machen. „Lies mal etwas über Naomi Klein.“ hat er gesagt… „die wird dich interessieren.“.

Er erzählte mir über diese Insel, welche den Verlauf von Kapitalismus zur absoluten Zerstörung aufzeigt… in einem kleinen Maßstab auf die ganze Weltentwicklung übertragbar. Dann erscheint die Entwicklung welche wir gerade schon zu spüren bekommen nur allzu logisch.  In meiner kleinen Welt, in meiner Küche mal angefangen kann ich so manch kleine Umweltkatastrophe in kleinem Maßstab schon ausmachen, denn auch hier herrscht das Problem mit Verpackungsmüll, Wasserverschwendung, Pflanzenmangel, Lautstärke, Heizen vs. Lüften…. und ich bin schon ein „Öko“ in den Augen meiner Mitbewohner. Vielleicht siehst du lieber Leser hier jetzt keinen Zusammenhang, aber das große Ganze ist für mich kleinen Krümel auf diesen Planeten zu komplex, dieser Vergleich ist ein Versuch dass für meinen Verstand erfassbarer zu machen. Was kann ich denn in meiner kleinen Welt tun, um das große Ganze zu retten.

„Es war einmal eine kleine Insel im Südpazifik, die hieß Nauru. Dort entdeckte man eines Tages riesige Phosphat-Vorkommen. Nauru wurde vom weltweiten Phosphatverkauf sehr schnell sehr wohlhabend. Man ließ es sich gut gehen und dachte nicht an morgen. Irgendwann ging das Phosphat zu Ende. Und heute ist Nauru ein Armenhaus auf einer zerstörten Insel. Diese Geschichte erzählt Naomi Klein in ihrem Buch ‚Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima‘. Und sie erzählt sie als ein Gleichnis auf einen Weltzustand.“

Kapitalismus vs. Klima: Eine Streitschrift von Naomi Klein – HQ

Faisal Kawusi – StandUp-Migrant ohne Tabus über alles reden und lachen

„Wenn wir auf die Bühne gehen, ist es so, dass wir eigentlich weinen. Wir weinen über unseren Schmerz – und dass die Leute dann drüber lachen, was für uns absolut Therapie ist.“ (Faisal Kawusi) * in hr | hauptsache kultur vom 16.04.2015

„Ich mache darüber Witze auch gerne, weil den Leuten in Deutschland, denen ist das ja sehr fremd. Die sehen die Burka, und das ist so sehr befremdlich und auch ein bisschen einschüchternd, beängstigend. Dadurch, dass ich Witze darüber mache und die Leute darüber lachen können, nimmt das ein bisschen die Angst, es nimmt die Distanz und führt auch dazu, dass die beiden Völker zusammen kommen.“ (Faisal Kawusi) * in hr | hauptsache kultur vom 16.04.2015

Faisal Kawusi ist mein Held des Tages, weil ich mit dem beginnenden Winterblues mit Tee und Haloumi im Fladenbrot in meiner Küche sitze und herzlich lachen kann über den „ich bin übrigens Single“, böse Vorurteile und Leiden des Alltags. Seine Sprache ist nicht perfekt, aber er ist authentisch und liebenswürdig, seine Mimik ist ausdrucksstark und facettenreich.