Was ist Liebe und wo ist der Unterschied zwischen verknallt sein und verliebt sein – die Theorie

verknallen, verlieben, entlieben als Grafik
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Verknallt sein geht schnell, ist rational betrachtet total banal, emotional gesehen ein Chaos

Ich kann in meinen Lehrer verknallt sein oder für einen Popstar schwärmen, dafür muss ich sie nicht näher kennen. Diese „Verknalltheit“ kann in einem Augenblick entstehen, aber auch schnell wieder vergehen. Das Verknallt-sein würde ich aus rein rationaler Sicht also keine große Bedeutung zukommen lassen, dennoch verändert sie einen und versetzt einem in einen trügerischen Rauschzustand, das kann quälendes Herzklopfen aber auch Euphorie, Freude und Energie hervorrufen. Verknallt sein ist solange schön, solange die „angehimmelte“ Person davon nichts weiß, weil es im Grunde ein recht peinlicher Zustand werden kann, obwohl es hoffentlich schon mal jemanden passiert ist, denn im Grunde ist es eine natürliche Droge des Körpers die man ruhig im Leben mal kosten sollte, wenn man es zulässt und zulassen kann. Welchen evolutionellen Grund der ganze Zirkus hat ist mir allerdings noch nicht ganz klar geworden, ich würde es als „Trieb-gesteuert“ abstempeln. Man kann sich demnach in eine unbekannte Person verknallen, das lässt sich schwer steuern, es passiert. Reize die eine Verknalltheit auslösen gehen also vorrangig von eher oberflächlichen Merkmalen wie Aussehen, Klang der Stimme und zur Schau gestellten Wissens, Vorzügen und Talenten aus. Die Medien spielen damit rech häufig, demnach kann es auch sein dass sich innnerhalb einer gefestigten langen Ehe, sich der Ehepartner mal in eine SchauspielerIn verknallt und die Werbung eben mal nicht wegzappt, weil SIE zu sehen oder zu hören ist. Da würde ich mir als Ehepartner eher keine Sorgen machen und amüsiert drüber lächeln.

Verliebtsein ist schön

Es ist immer hilfreich zwischen „verknallt sein“ und „verliebt sein“ zu unterscheiden. Bin ich verliebt, bin ich schon ein paar Schritte weiter und bin mir sicher mit der Person auch länger zusammen sein zu wollen, habe mich mit jener als ganzen beschäftigt und glaube mit ihr eins zu sein, also auf einer Wellenlänge zu sein. Ich empfinde so etwas wie Sorge, Mitgefühl, Verständnis, Interesse. Ist man verknallt ist das noch ein recht oberflächliches Gefühl, Verliebt-sein braucht hingegen mehr Zeit und Tiefe.

Tiefe Liebe ist Arbeit und Kompromiss

Und eine tiefe Liebe entwickelt sich wohl dann, wenn man auch schwere Phasen zusammen gemeistert hat, einander vertraut und sich aufeinander verlassen kann. Man kennt seine Fehler und Macken und ist in der Lage sich auch nach größeren Streits wieder zu versöhnen. Nur weil man sich nie streitet, heißt das nicht dass man eine besonders tiefe Liebesbeziehung führt, schnell kann der Alltag auch dazu führen das die sexuelle Anziehungskraft schwindet und man sich nach langer Zeit auf eine Ebene der Freundschaft bewegt, aber kaum noch voneinander lernen kann oder sich „reizt“.

Ein schwieriger Schritt ist zueinander zu finden. Heute gibt es Möglichkeiten dies über Online-Dating Portale zu machen, aber das „verlieben“ ist dort nicht inklusive. Man meldet sich dort mit Erwartungen an, die bei einem Treffen ein Unbehagen und Druck erzeugen können, so das sich wohl nur in wenigen Fällen tatsächlich „Liebe“ einstellen kann. Meine längsten Beziehungen und echte Liebe entstanden meist aus einer längeren Bekanntschaft und entspannten Umständen und quasi Erwartungshaltungen die gegen Null gingen. Man glaubte bis zum Zeitpunkt des Zusammenkommens noch eine Wahl gehabt zu haben. Offenbart man seine Gefühle wie stark oder schwach sie auch sein mögen zu schnell, drängt man die „geliebte“ oder „umschwärmte“ Person in eine Ecke und man beendet gegebenenfalls frühzeitig einen Prozess der gerade am Anfang sehr zerbrechlich ist und gutes Fingerspitzengefühl voraussetzt.

Aber um es mit den Worten des „Todes“ (btw tolles Buch „Interview mit dem Tod“ Jürgen Domain) zu sagen, die Liebe und das verliebt-sein ist „allzumenschlich, denn sie sucht Bestätigung“. [..] „Es gibt eine Liebe, die um das Ich kreist, die fieberhaft ist, die haben und besitzen will, die der Selbstentfaltung dient und die voller Absichten steckt. Diese Liebe hält den Menschen gefangen in seinem Ego.“

Mehr zum Thema

  1.  „Bambule – Liebe ist doof“ – Ein sehr guter alle-Seiten-beleuchtender Beitrag von/mit Sarah Kuttner in Ihrer ZDF Sendung Bambule   Der Beitrag ist online leider nicht mehr abrufbar.  🙁
  2. „Interview mit dem Tod“  – von Jürgen Domian – ein fiktives Interview mit dem Tod über die Fragen menschlichen Seins und Empfindens, wo dann u.a. auch geklärt werden soll ob es Liebe gibt und was das ist
  3. „Liebe dich selbst und es ist egal, wen du heiratest“  – von Eva-Maria Zurhorst – hab das Buch selbst nicht gelesen ^^ aber der Titel spricht mir irgendwie aus der Seele, und es erscheint mir nur allzu logisch wenn man sich selbst ständig hinterfragt, man selten „sexy“ wirkt. Wenn man sich selbst nicht etragen kann, wie soll es dann ein anderer tun?! 😉
  4. How to Know if a Person Truly Loves You 8 Anzeichen, dass dich eine Person wirklich liebt… gut recherchiert 😉

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