Frauen Bilder auf Instagram Weibchen

Frauen(vor)bilder

aktualisiert mit ein paar neuen Quellen 13.11.2021

Auf Instagram wird wieder die Frau belohnt, die hübsch dumm aus der knappen Wäsche guckt. Das ist alarmierend. So manche Enkelin der feministischen Pionierinnen fällt wieder in das ganz doofe Weibchenschema von vorgestern zurück.

Alice Schwarzer im Interview 2021
(© dpa-infocom, dpa:210904-99-91057/2)

Instagram ist voll von „dumm, hübsch aus der knappen Wäsche guckenden Weibchen“ und ich verspüre manchmal auch den Druck solche Bilder posten zu müssen, um meinen Themen die mir wichtig sind Reichweite und Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Instagram-Algorithmus: Wer gesehen werden will, muss Haut zeigen
In Zusammenarbeit mit dem European Data Journalism Network.
Eine exklusive Untersuchung deckt auf, dass Instagram Bilder priorisiert, die spärlich bekleidete Männer und Frauen zeigen, und so das Verhalten von Content-Erstellern und die Weltsicht von 140 Millionen Europäern prägt – ein blinder Fleck in den EU-Richtlinien.

von Édouard Richard, Judith Duportail, Nicolas Kayser-Bril und Kira Schacht
https://algorithmwatch.org/de/haut-zeigen-auf-instagram/

Weibliche Künstlerinnen befüllen mit ihren „weiblichen Reizen“ den halben Feed und lassen so ihr eigentliches Können, Fähigkeiten und Leidenschaften zwischen Bikinifotos und Schmollmund-Posts versinken fast schon verschwinden… das stimmt mich traurig und macht mich manchmal auch wütend, weil das in einer Masse passiert, dass es auf das allgemeine Frauenbild abfärbt… wenn dann angeekelt ein unrasiertes Bein öffentlich kommentiert wird oder ich mich dann in Beziehungen (unterschiedlicher Art: beruflich, familiär, Bekannte, etc.) wiederfinde, in denen von mir verlangt wird mich fraulicher zu kleiden oder generell mein Kleidungsstil kritisch kommentiert wird. Ich möchte jede Frau gerne auf Ihrem Weg und Erfolg unterstützen, aber kann massenhaft gekünstelte „Sexy Posen“-Bilder in meinem Feed nicht (mehr) ertragen, weil ich weiß, was es mit meiner Psyche macht und wie es offensichtlich auch die Wahrnehmung und das Handeln meiner Mitmenschen beeinflusst.

„91% aller Frauen hassen ihren Körper“

youtube Video 📺

yeah… und auch hier bin ich froh, dass die Dislikes nicht angezeigt werden :)

Weiß nicht was mich wütender macht… das Angebot oder die offensichtlich hohe Nachfrage nach solchem Content mit entsprechend hohen Klick- und Likezahlen. Was sagt das über die Oberflächlichkeit unserer Gesellschaft aus und warum wird das teilweise unter „sexueller Befreiung und Feminismus und Freiheit“ verkauft?
Nacktheit und im speziellen erotische Nacktheit ist Intimität, diese Intimität und Besonderheit geht verloren… vielleicht lässt sie sogar abstumpfen… und ich wundere mich, warum ich keine emotional verfügbaren Partner mehr treffe. Eine nackte weibliche Brust ist nicht persé erotisch, eine stillende Mutter z.B. oder wenn sich jemand wirklich ganz natürlich nackt gibt, weil es eben heiß is oder die Kleidung einengt…. knappe enge Bekinis und kurz vorm platzen gespannte Mini-Blusen sind NICHT natürliche Nacktheit aus einem Bedürfnis heraus, sondern sollen provozieren, kann auch künstlerisch gemeint sein, in den Kontexten wie ich es bisher häufig gesehen habe, wurde das aber willkürlich vermischt und hatte da meiner Ansicht nach nix zu suchen.

Nur noch mit Humor zu ertragen:
Gesellschafts-Kritik von Celeste Barber

Celeste Barber, an Australian comedienne who hilariously recreates celebrity Instagram photos

boredpanda.com „Woman Hilariously Recreates Celebrity Instagram Photos“ vor 5 Jahren (!!!)

hier geht es zu Ihrem Instagram: instagram.com/celestebarber

Zugegeben… ich hatte mich auch kurz mal von der Geschäftsidee begeistern lassen mit erotischen Fotos Geld zu verdienen (onlyfans, Patreon usw ) , weil ich wirklich Freude an Fotografie und Spiel mit Sinnen und übersetzen von Sinneserfahrungen in Bilder habe… bin dementsprechend in die Debatte eingestiegen, hab Dokus geschaut, Artikel gelesen…
aktueller Status, da meine Meinung dazu sich noch entwickeln muss, da sie noch zu sehr auf Vermutungen sowie Emotionen wie Eifersucht/Kränkung/Wut/Druck etc. fußt und weniger auf Fakten, Zahlen:
der Frauenkörper ist bereits komplett sexualisiert, der Bedarf ist mehr als gedeckt… überdeckt (Sexsucht/Pornosucht)… Wenn Nacktdarstellung, dann auf jeden Fall anders als es jetzt auf Instagram passiert… die Vorstellung dass jemand x-beliebig mein Bild als Wichsvorlage nimmt, schreckt mich dann doch sehr ab, zumal es bestehende Beziehung massiv zu stören scheint, weil die Vorstellungen und Fantasien total durchdrehen. Sich als Frau mit nacktem Oberkörper im öffentlichen Raum zu bewegen ist in unseren Breitengraden noch unmöglich, in anderen Teilen der Welt ist die nackte weibliche Brust nicht so sexualisiert und somit erregt sie auch niemanden, schon gar nicht die „Öffentlichkeit“. Gerne würde ich mich nackt und frei bewegen können, aktuell würde das aber tatsächlich Menschen um mich herum erregen, im schönen und unschönen, kontrollierte und unkontrollierbare Aufregung. Wie kommt das? Und kann man das überhaupt ändern, mit einer gesellschaftlichen „Umerziehung“?

Ich sehe bei allem weniger den Einzelnen in der Verantwortung, das auch, aber wie auch in der Umweltbewegung und beim Thema Rassismus, denke ich das es ein strukturelles Problem ist… das System muss ich ändern, ein System was die Menschen zu Sexmonstern macht, weil eben nur dieses Märchen vom ewigen Wirtschaftswachstum weitererzählt werden kann, nur so funktioniert es… der Ausverkauf der Menschheit. Alles ist Ware, es gibt fast nichts mehr was du nicht mit Geld kaufen kannst… inzwischen auch „Liebe“… gespielte Liebe, aber offenbar genügt das den Konsument:innen?! (Ich bin bei Thema Sex zu sensibel und kann da nicht mitreden. Was fühlt jemand der gekauften Sex hat? Wie fühlt sich das an?)

Sinnemanie Gedankenspam

Ich mag erotische Fotos gerne, wünsche mir aber dass es vielleicht doch wieder privater und als etwas Kostbares (statt Konsumgut) gehalten wird, was nicht bedeutet dass wir nicht öffentlich über Sex sprechen sollten und dafür auch Bildmaterial zum Einsatz kommen sollte, denn von Blumen und Bienen sollten wir hier nicht sprechen müssen sondern schon die Wahrheit in allen Facetten abbilden… Was da auf Insta und Co. Passiert hat aber auch wenig mit realistischer, natürlicher Nacktheit zutun. Aktuell folge ich talentierten Künstlerinnen und folge ihnen ihrer Kunst wegen (Musik, singen, malen, schreiben) da erwarte ich entsprechenden Content… fände es auch super irritierend wenn Angela Merkel auf ihrem Insta-Kanal plötzlich neben Trauerbekundungen und Ansprachen, sexy Bikini-Fotos posten würde… deshalb bin ich aber nicht gleich verklemmt oder spießig. Klar darf jeder selbst entscheiden was er/sie auf ihrem Feed postet, aber bitte ehrlich zu sich selbst sein,ob das Nacktbild der Aufmerksamkeit wegen oder wirklich aus kompletter Überzeugung und natürlich leichtem Impuls heraus gepostet wurde… Well OK bei Insta geht es irgendwie immer um Likes und Aufmerksamkeit, irgendwie…. Ich habe viele Bilder ohne Likes, mir is es tatsächlich egal… Dennoch weiß ich, dass meine Inhalte Menschen erreichen und zum Teil auch im positiven Sinne.


Im Internet drehen sich 25 Prozent der Suchanfragen um Pornografie. Dabei wird von den Anbietern ein Umsatz von 12,6 Millionen Euro pro Tag erzielt.

netzsieger.de/ratgeber/internet-pornografie-statistiken

Bei den männlichen Künstlern finde ich derartige Nacktheit nicht.
Alice Schwarzer meinte aber, es sei schon OK, wenn Frau Ihre Waffen einsetzt, weil Frau leider immernoch massiv benachteiligt wird…. werden wir also dazu gezwungen? Warum wird noch immer das Aussehen einer Frau hervorgehoben statt ihrer Leistung? Die Leistungen sind klar vorhanden, werden aber ignoriert.

Alice Schwarzer über Angela Merkel

Sie spielt weder das devote Weibchen in High Heels noch den Kerl. Das würde auch nichts nutzen, der echte Mann ist immer der bessere Mann. Irgendwann machen die Jungs wettpissen, und dann kommt frau zu kurz. Von Merkels Stil könnten Frauen also lernen.

Alice Schwarzer 2021 (© dpa-infocom, dpa:210904-99-91057/2)

Ich bin „neu“-Feministin und habe erst letztes Jahr angefangen mich überhaupt mit Frauenrechten und Geschichte der Frauenrechtsbewegung auseinandergesetzt oder auch mit dem Patriarchat und Unterdrückung von Männern und deren Gefühlen in einer von „toxischer Männlichkeit“ (die auch von Frauen/Müttern/Erziehung/Bildung geprägt sein kann) geprägten Welt. Feminismus bedeutet für mich, Kategorien von „männlich“ und „weiblich“ aufzuweichen und Geschlechter nicht mehr nach schwarz und weiß einzusortieren…also Kleidung, Kosmetik und Pflegeprodukte (für Männer gibt es „Haare-Gesicht-Körper“-Duschgels und für Frauen allein drei Pflegeprodukte für die Haare… weil Frau das will?? nee weil das das Ergebnis von jahrelanger sexistischer Marketing-Arbeit ist), Berufe, Gefühle (Wut bei Männern ist OK, bei Frauen nicht oder Trauer/Emotionen bei Frauen OK aber bei Männern nicht), Farben (rosa, blau), Essen (Fleisch essen ist „männlich“, Salat essen ist „weiblich“) und dieser ganze Müll halt XD… hab ich mir früher nie Gedanken drüber gemacht, obwohl ich selbst unter der Kategorisierung permanent gelitten habe welche Erwartungen permanent an mich herangetragen wurden, die ich als „braves junges Mädchen“ doch bitte zu erfüllen hätte. Warum habe ich nie danach gefragt, was das eigentlich alles mit meinem Geschlecht zutun hat?

ups.. war ich mal negativ… ja man, ich bin gerade scheiße wütend, auch wenn ich das eigentlich immer noch nicht richtig ausleben und rauslassen kann, hat man mir sehr früh aberzogen dieses Gefühl der Wut, macht man halt als „Dame“ nicht… *kotz*


Zum Weiterlesen
  • https://www.aliceschwarzer.de/artikel/im-magazin-der-faz-338541
    „Es gibt kein Recht auf Sex mit einer Frau“ – Alice Schwarzer über die Frage ob Prostitution OK sei… Spoiler: ist es nicht. Und zwar nie… laut Ihren unzähligen Gesprächen mit Sex-Arbeiterinnen. :/
    Im Interview wird die Frage intensiver beleuchtet, hier nur ein paar Ausschnitte:
    Angenommen, die Prostitution käme ohne Zwang aus, würden sie Sie dann noch bekämpfen?
    Was heißt denn „ohne Zwang“? Glauben Sie denn, es gibt irgendeine Frau auf der Welt, die das den Knaller findet, dass ein Mann kommt, einen Schein hinlegt und sagt: So, einmal von vorne und von hinten und immer schön lächeln!
    [..]
    Es gibt Feministinnen, die in Pornografie und Prostitution einen Ausdruck von Freiheit sehen, und Prostituierte, die ihre Tätigkeit vehement verteidigen.
    Ich kenne diese sogenannten freiwilligen Prostituierten zu genüge. Es ist immer dasselbe halbe Dutzend, das in den Medien herumgereicht wird. In der Regel betreiben diese Frauen selber Bordelle beziehungsweise sogenannte Salons und lassen andere Frauen die Beine für sich breitmachen. Ab und an sieht man auch Frauen im Fernsehen sitzen, die dann mit Puppenstimme sagen, dass sie das ganz geil finden, was sie machen. Ich guck’ mir dann ihre Augen an und ihren Lebenslauf. Dann spürt man schnell, was los ist. Es sind eben oft auch Frauen, die schon sehr früh gebrochen worden, schon sehr früh benutzt worden sind. Laut internationalen Studien haben bis zu 90 Prozent aller Prostituierten Missbrauchserfahrungen. Dass manche sich irgendwann sagen: Wenn ich schon benutzt werde, warum soll ich nicht auch dafür kassieren? Das verstehe ich sogar.“
  • Charlotte-Roche-Doku „Love Rituals“
    – Liebesrituale von Kenia bis Japan ,
    Michaela Vieser im Gespräch mit Gesa Ufer
    deutschlandfunkkultur.de/charlotte-roche-doku-love-rituals-liebesrituale-von-kenia
    „Aber wie die Liebe dann in jeder Kultur gehandhabt wird, wie sie manipuliert wird, wie Leute von ihr ausgenommen werden“ Michaela Vieser (Autorin der Arte Doku-Reihe „Love Rituals“)