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Frauen-Berufe

Aktuell wird eine neue Frauen-Bewegung laut, die einige Männer als auch Frauen aufzuregen scheint. Mich hat Feminismus bisher nie interessiert und auch auf das *in habe ich persönlich keinen Wert gelegt, bis mich ein Freund der meine Bewerbung für eine Stelle Korrektur gelesen hat und mich darauf hinwies doch bitte korrekterweise mich als „WebdesignerIN“ und „MediengestalterIN“ und „LiebhaberIN von…“ vorzustellen. Mir persönlich war das bisher immer egal, ich habe vieles als „normal“ verinnerlicht und nie hinterfragt, was mir seit der Geburt wiederfahren ist…. angefangen von rosa Spielzeug bis Hobbies und Interessen die ich gefälligst als junges Mädchen zu pflegen habe. In meiner kleinen Welt gab es lange lange nur Schulbusse die von Männer gefahren wurden, als ich in Berlin dann zum ersten mal mit Ende 27 eine Busfahrerin am großen Lenkrad gesehen habe, war das für mich eine Sensation. Ich habe keine Frauen in traditionellen Handwerksberufen getroffen und auf der anderen Seite hatte ich nur männliche Vorgesetzte, männliche Kollegen in meinem IT Job, männliche Oberärzte, auch die Hausärzte waren Männer-dominiert. Es gab sie die typische Männerberufe und die typischen Frauenberufe… ging es nur mir so? Frauen blieben nach der Schwangerschaft Zuhause…. manchmal kam noch ein zweites oder drittes Kind, d.h. bis zu 3,5 Jahre oder mehr kein berufliches Fortkommen. Bis die Hausfrauen-Rolle veraltet war, dauerte es viele Jahre. Ist diese Rolle auch in den Köpfen verschwunden?

In Berlin gibt es Initiativen und Startups die sich speziell an Frauen richten und sie fördern wollen, vor allem Selbstbewusstsein aufzubauen auch Führungsrollen zu übernehmen und Männerberufe zu lernen. Typische Frauenberufe wie Sekretärin, Pflegerin und Erzieherin sind zumeist schlecht bezahlt. Schon in Kinder- und Schulbüchern werden einem Frauen- und Männerrollen eingehemmert, die später nur schwer aus den Köpfen zu kriegen sind, die Persönlichkeit prägen und somit auch ganz entscheidend sind bei der späteren Ausbildungs- und Berufswahl. Einige Aufgaben und Berufe kamen mir nicht mal in den Sinn, weil es dafür gar keine Verbindungen in meinem Gehirn gab… in der Realität nicht gesehen, in Büchern auch nicht… in meinem Kopf gibt es nicht mal die Vokabel: „Feuerwehrfrau“, „Hausmann“, „Krankenschwester“ äh „Krankenbruder“ („KrankpflegerIn“ ja, aber der Begriff Krankenschwester hat Geschichte, die prägt), „Sekretär…“, „Stewardess“, „Architekt“, „Bauherr“, „Bauer“ (Bäuerin ja… aber nur melkend und backend, rührend nicht schlachtend ^^)…. ganz ehrlich, geh in dich.. was fühlst du und welche Bilder erscheinen im Kopf wenn du „rosa“, „Puppe“, „Hammer“ hörst? Ich möchte diese Bilder nicht mehr… ich möchte anders denken, anders fühlen und mich von diesen Denkmustern befreien, aber noch sind diese Verbindungen im Kopf da.. um diese Grenzen zu sprengen, bedarf es wohl doch einer Feminismus-Bewegung, sonst hätte sich in der Vergangenheit nichts geändert und ich würde heute am Herd stehen, nicht wählen gehen dürfen, keinen Männer-Beruf gelernt haben können, kein Führerschein haben, kein Konto eröffnen dürfen ….. usw. und so fort.

Ja, es gibt auch brutale Frauen, starke Frauen, trinkende Frauen, schlagende Frauen, reiche Frauen… unterdrückte Männer… das ist wieder ein anderes Thema und ich höre diesen Männern aufmerksam zu, wenn sie von diesen Ungerechtigkeiten berichten, die wieder auf einem anderen Blatt stehen.

Heute hatte sich jemand in meiner gegenwart über den Mythos, dass Frauen 21% weniger verdienen würden aufgeregt und dass es jetzt Rabatte nur für Frauen gab. Ich habe das mal nachgelesen und auch hier trifft wohl zu, dass man Zahlen auch auswerten können muss.
Da es sehr verführt einem offensichtlich gut informierten Menschen wie diesen heute blind zu vertrauen, suchte ich nach Bestätigung dieser These. Ich persönlich hatte Benachteiligung sehr stark erlebt und sehe auch einen Zusammenhang zu meinem Geschlecht.
In diesem Artikel wurde ich fündig, dieser Artikel beleuchtet beide Seiten… hat dennoch eine Tendenz:

„Zwischen Männern und Frauen liegt offiziell eine Lohnlücke von 21 Prozent. Doch es gibt auch einen „bereinigten“ Wert von sechs Prozent. Wie groß ist der Gender Pay Gap denn nun?“
„Mit dem „erklärten“ Teil ist gemeint, dass Frauen im Durchschnitt vor allem deshalb weniger verdienen als Männer, weil sie öfter in Teilzeit arbeiten, weil sie zum Teil geringer qualifiziert sind und weil sie häufiger in Branchen arbeiten, die ein niedrigeres Lohnniveau aufweisen. Aus Sicht derjenigen, die sich für mehr Lohngerechtigkeit zwischen den Geschlechtern stark machen, ist damit aber noch keineswegs „erklärt“, warum zum Beispiel Erziehungs-, Pflege- und Gesundheitsberufe schlechter bezahlt sind als technische Tätigkeiten.“

faktenfinder.tagesschau.de/inland/genderpaygap-103.html

Oberflächlich betrachtet, ist es also wirklich ein Mythos… geht man aber in die Tiefe, gibt es eine „Ungerechtigkeit“… kulturell bedingt. Es gibt eine neue Bewegung, die das Problem langfristig lösen wird. Immer mehr Frauen nehmen auch Männer-Berufe war und umgekehrt. Männer nehmen nun auch Baby-Jahr und Elternzeit… und machen auch den Haushalt, aber eben nur weil Feminismus-Bewegungen auf diese „Missstände“ aufmerksam gemacht und aufgeklärt haben, dass Frauen auch dies oder jenes machen können und Männer ebenfalls in bis dato typische Frauenrollen schlüpfen können ohne als Weichei gesehen zu werden. Es gibt aber auch ein psychologisches Problem, dass Frauen bewusst oder unbewusst das „schwache Geschlecht“ sind… sich vieles nicht zutrauen und dann „gerechterweise“ weniger verdienen, weil sie weniger leisten…
Auf der anderen Seite erwartet man vom „starken Geschlecht“ Mann natürlich (!) mehr Leistung… und zahlt entsprechend mehr… Auto und Zusatzleistung zur Erhebung des „männlichen Status“ kommen noch oben drauf.

Wollen Frauen eine Frauen-Quote und Rabatte?

Nein, wir wollen gleichberechtigt gesehen und behandelt werden. Aber dazu muss sich in den Köpfen von Mann und Frau in aller Welt etwas ändern… Kulturen müssten sich ändern? Die Werbung und Medien sind da nicht immer förderlich, die immer mehr Unterschiede zwischen „girl“ und „boy“ hervorhebt… wir werden damit groß… das Denken ist verankert. Und auch ich denke insgeheim noch viel zu häufig: „Oh eine Frau… ob die das wohl schafft?“

auch Männer provitieren vom Feminismus

Wenn sich   so mancher Mann mit folgenden Fragen   und Gefühlen beschäftigt  wird er sich  wohl  mehr für Feminismus interessieren und diese Bewegung und Kampf  ggf. sogar unterstützen.

Fühlt Mann sich unsicher in seinem  Körper, weil er nicht groß genug, stark genug oder schlank genug ist?
Lastet äußerer Druck auf den Mann sich außerhalb seiner Wohlfühlzone  hart, aggressiv und wettbewerbsfähig  zu verhalten?
Muss sich Mann schämen für Interesse an Kochen, Mode, Tanz oder einer anderen Aktivität, weil  es  Meinungen gibt das sei „schwul“ und „nur etwas für Mädchen“?
Fühlt Mann sich beleidigt durch mediale Darstellungen hilfloser erwachsener Männer, die sich ohne die Hilfe einer Frau nicht ernähren, kleiden oder baden können?
Belastet es den Mann von den Erwartungen, Frauen zu objektivieren, Sex mit vielen Frauen zu haben und sexuell aggressiv zu sein?
Fühlt sich Mann hilflos im Umgang mit Trauer-, Verletzungs- und Schamgefühlen, weil ihm beigebracht wurde, dass Emotionen Schwäche zeigen und „echte Männer sich selbst helfen“?
Verwirrt es Mann, wie man sensibel und freundlich ist, aber dennoch sexuell begehrenswert ist?
Muss Mann sich allein fühlen, wer er eine Verletzung erlitten hat, aber damit umgehen muss?
Muss man als Mann  Angst haben, als „Weichei“, „Schlappschwanz“, „Baby“, „P * ssy“ oder „Mädchen“ bezeichnet zu werden?
Ambivalent zu dem, was es bedeutet, ein „richtiger Mann“ zu sein?

(Übersetzt von:  everydayfeminism.com/2012/08/why-men-need-feminism-3/)

Feminismus ist nicht nur die  Befreiung  der Frau, sondern auch eine Befreiung   der „feminimen Seite“  des Mannes, bis man darauf kommt, dass  es hier  keine klare Zuordnung (mehr?) geben sollte , weil es eben keine männliche oder weibliche, sondern menschlich ist oder noch weiter über den Tellerrand geschaut, möchten wir uns in der Zukunft vielleicht noch mehr öffnen und alle Schubladen aufgeben und dann sprechen wir nur noch von „Natur“ als ganzes und allen jegliche Gefühle „erlaubt“ (das Wort trifft es noch nicht, finde gerade kein besseres) sind… aber ich denke diese Überlegung führt an dieser Stelle zuweit , somit muss ich diesen Gedanken an  anderer Stelle fortführen.

Die Veränderungen kommen… aber langsam und es ist gut wenn darüber gesprochen wird und wenn der Auslöser ein Aufreger über „Bevorteilung“ von Frauen durch Quoten und Rabatte ist.

Namaste

K

Weiterführende Informationen, Quellen, Denkanstöße

  • Alice Phoebe Lou –   inzwischen international bekannte Straßenkünstlerin/Musikern aus  Kapstadt, wohnhaft in Berlin äußerte sich am 17. Oktober  2017 im Rahmen von #metoo  und  schrieb dazu  auch ein sehr persönliches Lied zur Verarbeitung Ihrer Emotionen,  welches eigentlich nicht veröffentlicht werden sollte, aber eben passte:  facebook.com/alicephoebeloumusic/videos/metoo-read-before-watching-video-last-night-i-found-it-impossible-to-fall-asleep
  • Katy Kreitler über „Warum Männer auch Feminismus brauchen“  auf everydayfeminism.com/2012/08/why-men-need-feminism-3/
  • ARD Tagesschau: Wie hoch ist der Gender Pay Gap wirklich? (Stand 18.03.2019)