Tinder ein Erfahrungsbericht

TINDER Online-Dating – ein Erfahrungsbericht

Tinder ein Erfahrungsbericht
Tinder ein Erfahrungsbericht

Stufe 1:  So fängt alles an

Es ist Freitagabend es liegt ein stinknormaler Arbeitstag hinter mir ohne besondere Aufregungen und Hervorkommnissen. Vor ein paar Wochen habe ich von meinem Freund getrennt, die Trennung verlief in den üblichen Achterbahnfahrten und es kamen immer mal wieder Zweifel auf, ob man nun die richtige Entscheidung getroffen hätte.
Meine Freundin hält schon seit längerem keinen Direktkontakt zu mir und ich bekomme stattdessen unpersönliche Benachrichtigungen über ein soziales Netzwerk im Internet zu irgendeiner Veranstaltung mitten in der Großstadt wo irgendwelche anderen hippen und weniger hippen Menschen eingeladen sind, die ich irgendwann mal getroffen habe und zu denen mich eine virtuelle „Freundschaft“ verbindet. Zum letzten mal habe ich meine Freundin auf eben solcher halbannonymen Veranstaltung getroffen, über mein Kommen war sie überrascht. Unsere letzte Unterhaltung verlief so, dass ich ihr in einem langen Monolog alles berichtete was in den letzten Monaten so bei mir geschah. Ich versuchte es möglichst spannend zu erzählen mit einer gewissen Dramatik und gutem Redetempo, in der Hoffnung sie hätte mehr zu entgegnen als nur ein „Echt?!“. Sie schaut mich gar nicht an, stattdessen widmet sie ihre ganze Aufmerksamkeit ihrem Fernsprechapparat. Seit kurzem würde sie wohl wieder Online-Dating machen. Beim letzten Filmabend war sie schon so still und hat gar nicht über die tollen Gags im Film gelacht, als ich mich umdrehte merkte ich , dass sie an den Fernsprechapparat gefesselt war. Gebannt tippte sie ihre Kurznachrichten ein, worauf immer mal wieder ein kurzes Lächeln folgte.

Nun denn, so fand ich mich also selbst eines stinknormalen Freitagabends auf dem Sofa in Joggingshose und Kuschelsocken wieder. Mir fiel auf dass ich mich die letzten Wochen und Monaten sehr zurückgezogen hatte und schon länger keinen Menschen nach Feierabend zu einem Plausch getroffen hatte.   An mögliche Konsequenzen und was GENAU ich wollte darüber dachte ich noch nicht nach, fremde Menschen treffen und in ihr Leben schauen und sie in meins schauen lassen darauf hatte ich JETZT Lust. Nun nach Monaten des mit mir alleine verbringens musste ich nun wieder Kontakt zur Außenwelt herstellen und griff zu altbekannten Mitteln…diese Erweiterungssoftware unter Nutzung von radarähnlichen Funktionen zum suchen und finden und gefunden werden. War es ein Hilferuf? Möglich, finden wirs raus. Ich griff zu meinem ultramodernen Fernsprechapparat und suchte nach der durch Medien und Freunde sehr bekannten und verbreiteten Erweiterungssoftware für das Telefon um mit Menschen in der unmittelbaren Umgebung sofort in Kontakt zu treten und auch schnell und unkompliziert zu treffen. Die Erweiterung heißt „TINDER“. Es eilte ihr der Ruf voraus eine App für den schnellen Sex für Zwischendurch zu sein, um es mal nicht in der üblichen harten Sprache zu formulieren. Es soll wohl aber auch möglich sein ganz unverbindlich Menschen zu schreiben, zu treffen oder auch nicht und dann daraus auch Freundschaften oder Kontakte nicht sexueller Natur zu knüpfen.
Ich dachte nicht viel nach, etwas verzweifelt war ich auch, weil mir der Abend einfach zu schade war um ihn alleine und faul auf dem Sofa zu verbringen. Ich suchte das Abentheuer, es war egal ob das jemand abstoßend und peinlich oder erbärmlich finden würde. Man kann wohl nur schwer etwas verurteilen, was man nie gemacht hat und selbst dann macht jeder andere Erfahrungen, am Ende sollte ich das Steuer in der Hand behalten. Die Einrichtung dauert zwei Minuten. Programm herunterladen, Installation verläuft voll automatisch. Die Registrierung läuft über eine bereits bestehende Plattform,  das Soziale Netzwerk Facebook. Die dort hinterlegten Informationen, Vorname, Alter, Ort und Interessen nach „gelikten“ Seiten sowie das bestehende Freundes-Netzwerk  dienen als Basis-Profil. Hat man gemeinsame Freunde und Interessen so werden diese auch für beide Seiten angezeigt, was teilweise mehr Vertrauen schafft und helfen soll Zugang zueinander zu finden und gegebenfalls auch ein Einstiegsthema für einen Konversation außerhalb des „Bock auf ne schnelle Nummer“Niveau. Wenn man noch die nötige Kreativität aufbringen kann und nicht allzu ungeduldig ist, beschreibt man sich in 300 Zeichen noch kurz oder weist auf eventuelle Vorlieben und Macken hin. Die meisten scheinen anzugeben wie groß sie seien, dass sie gerne reisen würden und Kaffee trinken und ein weiterer Teil weist bestimmt darauf hin keinen schnellen Sex zu wollen und stattdessen etwas Niveau erwarten zu wollen. Optional kann man diesen Profil-Text auch komplett leer lassen, was ich nicht empfehlen würde, auch wenn manche Profilbilder mit nackten Ober- und Unterkörper aussagekräftig genug sein dürften. In der Hauptstadt ist noch hilfreich anzugeben in welcher Sprache man sich verständigen kann und möchte, hingegen einige auch panisch angeben keine Brieffreundschaft eingehen zu wollen, demnach den Wortwechsel auf ein paar wenige Sätze wenn gar nur Wortgruppen zu beschränken. Zum Schluss sollte man noch einmal in die Grundeinstellungen des Programms gehen und dort seine gewünschte Trefferliste oder die sogenannten „Entdeckungs-Präferenzen“ eingrenzen. Ich fange an zu bezweifeln dass ein Großteil der Nutzer dieses Wort überhaupt versteht. Man kann hier nach Alter, Geschlecht und wie weit die Personen maximal vom persönlichen aktuellen Aufenthaltsort entfernt sein darf „präferieren“. Es ist ist irgendwie pervers aber auch spannend und furchtbar einfach.

 

Stufe 2: Auf Entdeckungsreise

Nun kann die Entdeckungsreise in die Abgründe des modernen menschlichen Verabredungsuniversums losgehen. Die Benutzeroberfläche ist denkbar simpel gehalten.

Ein großer Haufen virtueller Spielkarten liegt übereinander gestapelt.

Auf jeder Karte ist zunächst nur ein großes Profilbild, das Alter und der Vorname zu sehen. Wie man diesen ersten Eindruck gestaltet ist einem selbst überlassen. Bei meinem ersten Dating-Profil belasse ich die Basis-Einstellung mit einem recht geschmackvollem Portrait von mir. Eine Gesichtshälfte liegt im Schatten die andere in einem gelblichem künstlichen Licht die meine Haut fast makellos scheinen lässt. Mein Gesicht lächelt nicht. Bis auf mein eine frontale Gesichtshälfte und meinen Hals ist nichts von mir zu sehen.
So nun weiter zur Benutzerführung. Ist der erste Eindruck gut, kann ich die Karte umdrehen und mir gegebenenfalls weitere hochgeladene Bilder, den Profiltext und gemeinsame Freunde und Interessen der Treffer-Person anschauen. Bei vielen bekomme ich nur weitere Bilder und sehr knappe nichtssagende Bschreibungen im knappen Hasgtag-Stil als Schlagwortlist zu sehen. Ist das Interesse geweckt vergibt man ein Herz. Spricht einem das Profil nicht an schiebt man die Karte nach links ins Leere. Nach 20 Profilen wird man müde und ich erwische mich wie ich immer schneller ein Profil nach dem anderen ablehne schon nach Sichtung des ersten Bildes ohne Beachtung weiterer Einzelheiten. Nach fünf Minuten find ich ein passables Profil und vergebe zurückhaltend mein erstes Herz. Ich werde mutiger und vergebe zwei weitere Herzen. Es erfolgt ein sogegannter „Match“, ein Treffer. Das Gegenüber „mag“ mich auch und wir gelangen somit beide auf Stufe zwei. Wir dürfen uns nun gegenseitig Nachrichten schicken. Aber wer fängt an. Ich mag es gerne klassisch und überlasse dem Mann den ersten Schritt und das erste Wort. Das ist meist ein simples „Hi“. Aufgeweckte haben auch gleich die erste Frage parat und da mein Profil vergleichsweise umfangreich ist gibt es manchmal sogar einen ganzen Fragenkatalog. Erst einmal wird geklärt ob man sich in englisch oder deutsch schreibt. Manch einer macht auch gleich im ersten Satz deutlich, dass er in den nächsten 5 Minuten Sex haben möchte. Reagiert man in den Augen des Gegenübers nicht intereressensgerecht wird man aus der Konversationsliste gelöscht und man ist raus aus dem Spiel. Anfangs mache ich wohl den Fehler zu schnell und zuviel zu schreiben. Komplette Sätze und detaillierte Fragen, wie zum Beispiel nach dem Beruf überfordern schnell. Die Frage nach dem Sinn des Lebens hebe ich mir wohl besser für entsprechende Fachforen und interaktive Diskussionsrunden auf, das Niveau muss niedrig gehalten werden, für den Anfang.

Stufe 3: Der erste Kontakt

Ich habe einen „Match“ mit Paolo, scheinbar aus der Nachbarschaft nur zwei Straßen weiter. Wir unterhalten uns auf Englisch. Es ist Freitag, ich bin abenteuerlustig und wir können uns in 5 Minuten um die Ecke in einer Bar zum Tee treffen. Die Entscheidung haben wir nach nur wenigen Sätzen nach einer halben Stunde getroffen. Er wirkt normal die Unterhaltung ist kurz und belanglos aber soweit vertrauenswürdig.

Stufe 4 : Von der virtuellen in die reale Welt

Er ist über meine Spontanität etwas überrascht, aber wartet dann schließlich höflich vor der Bar. Sein Profilbild war verschwommen und es war nur sein Seitenprofil zu sehen. Dennoch erkennt er mich und die Glatze und der Hut und Statur geben ihn mir als den Richtigen zu erkennen. Wir trinken beide Tee und unterhalten uns über meinen Job, Berlin, Musik. Da es sehr laut in der Bar ist, sich zwei temparamentvolle Spanierinnen lautstark unterhalten und Paolo mit einem  italienischen Akzent Englisch mit mir spricht, müssen wir näher zusammenrücken. Paolo fackelt nicht lange und sucht die Nähe zu mir. Er hat eine künstlerische Aura, deswegen wirkt er auf mich nicht abstoßend. Die Tatsache, dass er mit mir Tee trinkt, mich demnach nicht abfüllen will, macht ihn in meinen Augen auch symphatisch und vertrauenswürdig, darum darf er ab und an mal mein Knie berühren. Als seine Hand unter meinen Pullover wandert, ziehe ich meinen Körper zurück und erkläre ihm, dass ich das nicht möchte schon gar nicht öffentlich in der Bar. Er versucht es immer wieder. Das Gespräch bleibt fließend und ruhig, so hoffe ich auf einen guten Verlauf, male mir aber keine Szenarien aus wie es weiter gehen oder enden  könnte, hoffe nur das alles gut geht und vermeintliche Signale nicht falsch gedeutet werden könnten. Ich fühle mich soweit wohl. Getrieben von Neugierde folge ich ihm wie automatisiert in seine Wohnung. Die Wohnung ist winzig, der Geruch von altem und frischem Zigarettenqualm nimmt der Wohnung leider nahezu komplett ihren Charme und bereitet mir Unbehagen. Das Hochbett und gedämmtes Licht retten die Atmosphäre ein wenig. Ich darf mir Musik wünschen, danach entscheiden wir uns den Animationsfilm zu schauen, worüber wir zu Beginn unserer kurzen Bekanntschaft gesprochen hatten. Macht man das so, ging das nicht alles wahnsinnig schnell?! „Alles steht Kopf“, der Film zieht mich in seinen Bann und ich ziehe Paolo scheinbar an. Er rückt mir nach einer halben Stunde geduldigen Beisichhaltens auf die Pelle. Ich bleibe sitzen und lasse es mit mir geschehen, wohl auch weil es mir ein natürliches Bedürfnis schien berührt zu werden und eine andere Wärme als nur die meine zu spüren. Es steigert sich bis zum Höhepunkt und dennoch war es keine wirkliche Befriedigung, denn ich blieb kühl und verabschiedete mich entsprechend schnell um mich gründlich abzuduschen und wieder in die wohlriechenden Molle meiner eigenen vier Wände zu kriechen, zurück zu mir der alten Bekannten, obwohl ich wohl sehr gerne in den Armen eines Mannes eingeschlafen wäre. Technik vereinfacht, aber das Date muss man am Ende selbst machen.

Stufe 5: Der Tag danach

Eine Nacht darüber geschlafen, wache ich blinzelnd auf und schon schießen die Gedanken in meinen Kopf. Bin ich eine Hure? Neiiin, Blödsinn. Das ist ein offensichtliches Tabuthema und gesellschaftlich irgendwie geprägt, aber was ist denn eigentlich schlimmes passiert…nichts, keiner hat sich wehgetan, man war da füreinander als man einen Moment der quälenden Einsamkeit spürte. Ich lösche das Programm, vielleicht weil ich mich doch mehr schäme als ich zugeben will. Ich habe ihn zurückgelassen… ich schreibe ihm und biete ihm Freundschaft an, eine Beziehung wollte ER sowieso nicht und ich auch nicht. Ein Anfängerfehler. „Friendship and sex, I get it!“ Tzzz klar ignorier mich ruhig. Wir treffen uns zum Spaziergang und Abendbrot und wieder fällt er über mich her, dieses mal bin ich noch distanzierter, weil ich es langsamer haben möchte um einen Zugang zu finden und lockerer zu werden. Am Ende des Tages trennen sich wortwörtlich unsere Wege und ich zeige ihm mit dem Finger den Weg in seine Straße. „This is your way, this is mine.“ Am nächsten Morgen hat er mich blockiert, GAME OVER.

Stufe 6: Die Sucht, der Stolz und das Experiment

Gekränkt in meinem Stolz, aber dennoch froh diese Last losgeworden zu sein quäle ich mich über die nächsten Tage. Es ist mir nicht egal, zweite Runde… ich will dem ganzen noch eine Chance geben. Nicht alle sind gleich, ich habe dazugelernt und möchte ein Happy End. Ich lege nun ein „hässliches“ Profilbild an und einen Text der im Grunde alles offen lässt in einem englisch-deutsch Wortmix für Berlin-Entdecker, Menschenfreunde und Kaffeetrinker, die keine sogenannten ONS (Sex für eine Nacht) wollen und gerne schreiben, darauf weise ich ausdrücklich hin weil ich hier meinen Stärken sehe und den potentiellen Spaß und „E-Mail für dich“ mein Lieblingsfim ist. Wooow, die „Ausbeute“ ist fantastisch, alle „Treffer“ scheinen auf den ersten Chat (Unterhaltung) im Sektor mit Humor, Niveau und Bildung zu liegen…und  nicht nur im Sektor Trieb, Einfallslosigkeit und Stumpfsinn. Das liest sich arrogant, sorry… :( Ihr wisst aber was ich meine…

Ich befinde mich jetzt im „ARTE“-Programm und nicht mehr im RTL Nachmittags-Wochen-Programm. Es macht Spaß, das Schreiben, Gedanken zu verschicken und ein verständnisvolles Nicken zurückzubekommen.

Klar will ich dich treffen, ich habe nur Angst mich zu verlieben und dann wird es wieder kompliziert. Ich habe nun drei vertrauenswürdige Gesprächspartner gefunden, nachdem sich etwas Eifersucht, Kontrolle und Spielchen andeuten…lösche ich das Programm wieder, biete zweien meine Freundschaft an und meine mich auf EINEN konzentrieren zu müssen und ihm etwas mehr Einblick in mein Leben zu gewähren, nachdem er mir ganz selbstbewusst klar gemacht hatte, dass er nicht noch eine gute Freundin bräuchte, davon hätte er zuviele. Und überhaupt hätte er nie eine abgeschleppt, war wohl aber auch nie so richtig längere Zeit glücklich gebunden, forderte aber „selbst ist die Frau“. Das wird er noch bereuen immer der Frau das Ruder zu überlassen, denke ich mir. Ich fühle mich etwas unter Druck gesetzt, sehe aber eine Chance die ich ergreifen sollte, auch wenn ich dann über mich hinauswachsen müsste.  Fast eine Woche lange fiebern wir beide wohlgemerkt unserem ersten Treffen hingegen. Die Spannungskurve ist aufregend schön, das Date wie man es sich nur wünschen kann. Kein Kuss, doch nicht bei der ersten Verabredung. Dann ist da dieses schon fast vergessene Kribbeln im Bauch, was alles mega kompliziert werden lässt.  In seinem Profil stand er wäre „der Beste“, ich hab ihn als einen bodenständigen, ruhigen, einfühlsamen, wohl erzogenen Mann kennengelernt. Mein Anspruch an Männer war fast auf Knieniveau gesunken, das war jetzt zu perfekt für mich, das musst ja ein Traum sein. Ich hatte das schon eine halbe Ewigkeit nicht mehr, weil ich immer nur genommen wurde und es alles zu schnell ging. Ich wusste nich wie oft ich mich und meine Liebe erneuern konnte, wie oft ich meine Persönlichkeit noch anpassen konnte um in ein Leben eines anderen zu passen. Ich sollte ich selbst bleiben. Eine Woche später nachdem ich mich um Kopf und Kragen geredet hatte stehe ich wieder vorm GAME OVER. Zwei neue Freunde habe ich gewonnen, immerhin.

Stufe 7: Die Bedenken

Ich habe noch nie nieee jemanden im Supermarkt kennengelernt, ich schreibe dies weil jemand fast wie eine Rechtfertigung äußerte, er hätte die richtige Person auch lieber im Supermarkt beim Saftregal kennengelernt als sich bei Tinder als Hure anzubieten.  Wir sind eine andere Generation mit anderen Möglichkeiten. Wir experimentieren mit den Mitteln welche uns zur Verfügung stehen, auch wenn wir immer noch wie primitive Affen aus der Urzeit die Flöhe aus dem Fell puhlen und unserem Trieb verfallen. Es muss uns nicht peinlich sein und wir können dazu stehen was wir sind und tun. Wenn du jetzt urteilst und es noch nicht ausprobiert hast, dann melde dich an, probiere es aus und urteile dann und selbst dann sei an dieser Stelle verraten, dass ich bis heute drei mal angemeldet war und immer andere Menschen und demnach andere Erfahrungen mit anderen Fazits gemacht habe.

Schreibe deine eigene Geschichte und urteile über dich selbst, aber nicht über andere solange du nicht in deren Körper und deren Leben steckst, nicht ihre Wege gegangen bist und ihre Schmerzen und Freuden gefühlt hast, nicht Ihre Verluste und Gewinne geerntet und ihre Aufgaben erledigt, sowie ihre strenge oder weniger strenge Erziehung genossen hast. Man kann im Grunde nichts vergleichen, wäre alles exakt gleich, wäre es gleich, aber es ist nicht alles gleich, es ist anders weil es anders ist.

Mit welcher Arroganz entscheidet eine handvoll Menschen nach dem Gruppenzwangprinzip was gut und was böse ist und wie gute oder böse Menschen behandelt werden müssen. Schütze dich selbst, mehr Rechte bleiben einem wohl nicht und am Ende handeln wir oft nur aus Angst und kämpfen uns nach unseren persönlichen Maßstäben bestmöglich durchs Leben. Nur weil ich es geschafft habe, kannst du es noch lange nicht schaffen, auch wenn viele vermeintliche Vorbilder dir etwas anderes verkaufen wollen. Dennoch ist vieles möglich und jeder Versuch birgt einen Gewinn und das kann ich wohl ohne schlechtes Gewissen behaupten, man wird wohl eher bereuen etwas nicht getan zu haben als nie eine Chance ergriffen zu haben. Lieber etwas aussprechen als zu verschweigen und Opfer eines dummen Missverständnisses zu sein, lieber handeln als still stehen, doch Ausnahmen gibt es auch hier. Willkommen in der Schule des Lebens. Die neuen Technologien mögen einem manchen Weg vereinfachen, aber bis heute musst du die Entscheidung am Ende noch selbst fällen und dafür gerade stehen.

 

Stufe 8: Nichts für Weicheier – Die Abfuhr

Diese Stufe ergänze ich nun nachträglich nachdem ich mit zwei Freunden, die diese App ebenfalls nutzen oder nutzten über meine Erfahrungen gesprochen habe. TINDER oder generell Onlinedating verleitet wohl schnell dazu sich wie einem Textildiscounter aufzuführen und das erstandene vermeintliche Marken-T-Shirt sich dann doch nur als billige 3Euro Ware herausstellt, man es entweder nach einmal tragen in den Müll schmeißt und sich sofort ein neues holt oder es wieder zurückbringt oder eintauscht, in manchen Fällen lernt man und wechselt die Marke oder das Geschäft oder fährt seinen Konsum runter bzw. den Anspruch hoch. Nun worauf will ich hinaus… stellt euch das perfekte Date vor, ihr verbringt einen ganzen Nachmittag miteinander und habt euch viel zu erzählen, das Wetter spielt mit und lauft Kilometer durch den Park, er rückt hier und da etwas näher  und es gibt eventuell auch intime Momente der Stille.  Am Abend speist man zusammen, was mitunter auch recht persönlich sein kann einen Menschen essen zu sehen ^^. Schließlich verabschiedet man sich ganz verlegen mit einer kurzen schnellen Umarmung und schreibt sich Tage danach noch kurze Nachrichten. Und plötzlich hört er/sie auf zu schreiben. Am Anfang macht man wohl noch den Fehler sich zu schnell Hoffnungen zu machen, man sucht nach einem logischen Grund. Man stellt entsetzt fest das dieses „perfekte Date“ von der anderen Seite erzählt auch öde und quälend gewesen sein kann. Tinder ist wahnsinnig schnell, er/sie könnte jemand „besseres“ gefunden und somit den Fokus und die Priorität verändert haben. War man eben noch begehrt, ist man es nach  einem Satz oder einem Blick nicht mehr. Meine Freundin ist aufgrund ihrer Erfahrung cool geworden, wenn nicht sogar abgestumpft und meinte es aufgegeben zu haben die „Typen“ zu verstehen und was sie wollen und fährt seitdem lieber zweigleisig, immer noch ne Reserve auf der Bank damit es nich jedes mal wieder so wehtut. Ich hatte hoch gepokert und auf DEN EINEN gesetzt. Eine andere Freundin tröstet mich mit den Worten, wenn er jetzt schon kein Bock mehr hätte, dann kann das doch nichts fürs Leben sein. Ich bin ohne Erwartungen ran gegangen… aber habe es halt immernoch  mit Menschen zutun und meist werden die im schnellen TINDER-Geschäft so schnell wieder abgelegt, wie man sie angeklickt hat, es ist ein Spiel mit dem Feuer, nichts für Weicheier eben… und genau… es scheint ein Spiel zu sein. Ich Anfängerin, soll ihn zappeln lassen, warten lassen, nichts machen. Ich hasse diese Jagd-Spiele, Eifersucht, Pickup-Maschen und was es da nich alles gibt. Es ist schwer sich selbst zu bleiben. Die Abfuhr über Tinder ist oft weit entfernt von Höflichkeit und Anstand und es geht auch viel zu schnell, im normalen Kennlernprozess ist das persönlicher und entschleunigter, aber in der Massenabfertigung mit 3 Dates pro Woche wohl nicht anders zu organisieren, zumal man nie weiß wie die andere doch recht unbekannte Person reagiert… wird sie diskutieren, verständnisvoll reagieren, es wortlos und unkompliziert aufnehmen oder sieht sie es vielleicht genauso?! Man weiß es nicht, wie auch wenn man nur 5Sätze über Fernsprechapparat ausgetauscht und einen Kaffee getrunken hat, auch wenn es fürs verknallen manchmal nur einen Augenblick bedarf…
Eine traurige und doofe Regel, die sich in der Praxis wohl leider als Wahrheit heraustellt: meldet er sich am zweiten Tag nach dem Date nicht, bist du eher uninteressant. Meldet er sich gar nicht, bist du raus. Hintertexten is ne blöde Idee, nimm es nicht persönlich, man kennt sich doch gar nicht. Ich habe auf meine doch recht verlässliche Menschenkenntnis vertraut und werde immer wieder den „Fehler“ machen mich Menschen zu offenbaren in Vorfreude und Euphorie und Angst in diesem schnellen Geschäft unter Druck zu verlieren.

DAS FAZIT

Du wirst gute Dates haben und schlechte. Wenn du diesen Beitrag neugierig gelesen hast, dann willst du es ausprobieren. Tu es, es wird dich reicher machen an Erfahrungen und du wirst auch dich besser oder sogar andere DEN MENSCHEN kennenlernen. Vielleicht gewinnst du ein paar nette Stunden mit jemanden, vielleicht gewinnst du neue Freunde, vielleicht wirst du auch dein Herz verlieren, ohne Risiko kein Spaß. Hab Spaß und denke nicht soviel nach. 😉

 

Filmtipps zum Thema

„Her“ mit  Joaquin Phoenix (2013)

„Er steht einfach nicht auf dich“ mit Scarlett Johanson, Bradley Cooper uvm. (2009)

„50 erste Dates“ mit Adam Sandler und Drew Barrymore (2005)

„e-m@il für Dich“ mit Tom Hanks und Meg Ryan (1995)